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Freitag, 6. Oktober 2017

Supportanfragen (Welche Strategie liefert die Antwort auf die offene Frage? :-) )

Dieser Beitrag hat jetzt wieder mal nur am Rande mit dem TrainingLab Projekt zu tun, wenngleich Support(anfragen) natürlich auch bei diesem Projekt nicht gänzlich ausbleiben* :)

(* ein hier nicht näher benannter Projektmananger - zumindest hat er sich selbst in dieser Rolle gesehen - hat zu mir mal gesagt, dass Support bei einer gut designten und technisch korrekt programmierten Software - eigentlich unnötig sei. Wenn Support nötig wäre, dann würde das nur auf die Inkompetenz der Entwickler hindeuten. Ich werde diese Sätze jetzt mal besser nicht kommentieren :-) )

Ich will mich zur Abwechslung auch auf das Wesentliche beschränken und nur ein paar allgemeine Tipps geben, die meine Erfahrungen im IT Umfeld widerspiegeln.

Hierbei erstrecken sich meine Erfahrungen auf das Umfeld größerer als auch kleinerer Firmen und nicht zuletzt auch auf solch kleiner (Garagen)Klitschen wie meine eigene eine ist :)

Es versteht sich von selbst, dass je nach Größe und der damit verbundenen Unternehmenskultur, die internen Prozesse anders gestaltet sind, aber letztlich doch wieder fokussiert werden müssen und sich damit dann doch wieder (sehr) ähneln.

Und leider sehe ich jetzt beim erneuten Lesen, dass dieser Beitrag doch wieder etwas länger ausgeartet ist (ich kann mich halt nicht kurzhalten).

Hier also die Supportkanäle, die man nutzen sollte:
(und zwar am besten in der hier gegliederten Reihenfolge)
  1. Offizielle Supportkanäle: Das kann eine telefonische Hotline sein oder/und die offizielle Support EMail-Adresse des Unternehmens.

    Normalerweise sollte man diese Support-Adressen der Unternehmens- oder - wie in meinem Fall - der Projekt-Webseite entnehmen können. Findet man auf den offiziellen Webseiten keine entsprechenden Kontaktadressen, so ist das schon mal sehr schlecht.
    Um ehrlich zu sein, ich selbst mache mittlerweile einen Bogen um jene Firmen, die mit solchen Support-Adressen geizen (Ausnahme: irgendwelche preiswerte Gadgets - meist asiatischer Firmen - die ich unbedingt haben will und (daher) einen fehlenden Support in Kauf nehmen kann): denn wenn ein Unternehmen mit dieser Adresse nicht aufwarten kann/will, dann hat das meistens seine Gründe.

    Wenn man dem Telefon als Medium nicht abgeneigt ist, dann ist die Telefon-Hotline übrigens das Mittel der Wahl. Sofern jemand den Hörer abnimmt, muss er nämlich Rede und Antwort stehen; einer unbequemen E-Mail kann man ggfs. aus dem Weg gehen ('Mail ist nicht angekommen', etc.).

    Im Normalfall sollte über diesen Supportkanal dann auch eine Antwort erfolgen. Die Schnelligkeit (Reaktion) kann allerdings variieren. Zwar erwartet man heutzutage - zurecht! - eine schnelle Rückmeldung, aber ich sag's mal so, Antwortlaufzeiten von bis zu einer Woche nehme ich (ich spreche jetzt nur für mich selbst!) durchaus hin.

    Das klingt für Außenstehende jetzt natürlich sehr lang aber manchmal dauert es halt etwas länger, ohne dass ein böser Wille dahintersteckt, sei es, weil die Manpower fehlt, der Support schlecht organisiert ist oder auch mal einfach nur temporäre Engpässe bestehen (Betriebsferien, Messen, Krankheit, etc.).

    Natürlich darf man bei einer großen etablierten Firma schnellere Antwortzeiten voraussetzen, aber manchmal hakt es auch bei großen Firmen, die sich den Luxus einer eigenen Support-Abteilung leisten (ist einfach so).

    Sollte eine Antwort aber auch nach längerer Zeit komplett ausbleiben und auch nach erfolgter zweiter Erinnerungsmail weiterhin ausbleiben, dann kann man sich schon fast sicher sein, dass es betreffende Firma mit dem Support nicht ganz so ernst nimmt. Meiner bescheidenen Meinung nach liegt dann bereits einiges im Argen und man kann sich schon einmal innerlich darauf einstellen, dass direkter Support eher schwer zu erhalten sein wird.
    Sofern nicht irgendwelche Umstrukturierungsmaßnahmen der Grund für das Ausbleiben einer Antwort sind, deutet das wohl eher darauf hin, dass diese Firma chronisch unterbesetzt ist und keinen Support mehr wahrnehmen kann oder will (das könnte dann auch der Anfang vom Ende sein).

    GANZ, GANZ WICHTIG: kontrolliert eure SPAM-Folder! Es kommt nicht selten vor, dass Firmen schnell geantwortet haben, der Fragesteller aber nie die Antwort erhalten hat, weil die Antwortmail in seinem SPAM-Filter hängen geblieben ist.
    By the way: auch unser TrainingLab Projekt war davon schon das ein oder andere Mal betroffen, weil wohl irgendein Scherzbold unsere Domain als SPAM-Schleuder in irgendwelche Blacklists eingetragen hatte :-(.

    ... sollte eine Antwort aber generell ausbleiben, dann gehen wir zu Punkt 2. über.

  2. Social Media: nutzt die offiziellen Social Media Kanäle wie deren Facebook, Twitter und Co Accounts.

    Auch wenn diese Seiten meiner Erfahrung nach primär der (Eigen)Werbung dienen, ist es erstaunlich, wie schnell auf einmal ein (Support)-Kontakt zustande kommen kann, wenn man auf diesen Plattformen öffentlich Support einfordert. Im Grunde genommen kann es sich nämlich kein seriös operierendes Unternehmen erlauben, auf diesen Social Media Kanälen Anti-Werbung zu betreiben oder zuzulassen!
    Und öffentliche Anfragen, die über einen längeren Zeitraum nicht beantwortet werden, nun, wenn das keine Anti-Werbung ist, dann weiß ich auch nicht mehr, was überhaupt einer negativen Werbung gleichkommen könnte.

    Eine Besonderheit gilt es dabei aber zu beachten: es gibt Firmen - vor allem kleinere Firmen -, die im Rahmen der allgemeinen Facebook-Manie, irgendwann mal eine Facebook Seite eingerichtet haben und diese später im Tagesbetrieb nicht mehr betreuen können (oftmals hat das ein Praktikant gemacht und wenn dieser nicht mehr greifbar ist, dann treibt die Facebook Seite halt so vor sich hin).
    Auch unsere TrainingLab Facebook und TrainingLab Twitter Seiten sind dem quasi zum Opfer gefallen (der 'Praktikant' hat nämlich einen Karriereschub gemacht :-) )  -> allerdings haben wir das zumindest durch entsprechende Beiträge auf diesen Plattformen explizit hervorgehoben (konsequenter wäre es, die Seiten aufzugeben).

    Halten wir also fest, wenn selbst auf den Social Media Kanälen der Support (generell) ausbleibt und auf diesen Social Media Seiten auch nicht explizit erwähnt wird, dass diese Seiten quasi nur nebenbei betreut werden, dann lohnt es vielleicht, sich seine Gedanken zu machen -> letztlich muss man ja keine eigene Facebook Seite unterhalten. Falls doch - und man bemerkt, dass man diese nicht betreuen kann, weil einfach die Manpower fehlt - dann sollte man vielleicht besser die Notbremse ziehen und das auf der betreffenden Seite - zumindest in Form eines Hauptbeitrages - entsprechend ankündigen.

  3. Internet-Foren: ich würde Foren nicht als erste Infoquelle empfehlen, aber manchmal bekommt man nur über diese Foren entsprechende Hilfestellungen.

    http://forum.tour-magazin.de/forum.php
    Vor allem wenn es sich um etablierte Produkte handelt, die eine große Anwenderschaft aufweisen können, ist die Wahrscheinlichkeit, in einem Internet-Forum Hilfe zu bekommen, nicht gerade gering.
    Allerdings - bei reinen Nischenprodukten - die kaum einer nutzt, sieht es mitunter schon wieder gänzlich anders aus, was die potentielle Hilfestellung in den Foren betrifft. Erstens muss man erst mal auf einen Forumsuser treffen, der jenes Produkt selbst nutzt und sich damit auskennt und der dann auch noch die Muse findet, zu antworten. Unter 100 Usern findet sich sicherlich schneller jemand, der auf den Reply-Button drücken wird als das bei gerade mal fünf Usern der Fall ist.

    Sofern eine Firma ein offizielles Support-Forum unterhält, ist das immer eine gute Infoquelle. Das heißt nicht, dass man hier immer eine Antwort finden wird, aber die Support-Foren der großen Hersteller sind nicht ohne Grund in meiner Bookmark-Liste gespeichert :)

    Den Grund, weshalb ich Internet-Foren nicht als erste Infoquelle empfehle, möchte ich auch noch benennen: es gibt dermassen viele Foren im Internet, dass ein Einzelner diese natürlich nicht überblicken kann. Ich habe oft erlebt, wie entsprechende Anfragen in Foren erfolgten und dort dann entweder eine Antwort ausblieb oder ergebnislos hin und her diskutiert wurde und viele Mutmaßungen die Runde machten.
    Möglicherweise diskutiert man/frau gerade einen Bug oder irgendeine Sache, die die betreffende Firma oder der dahinterstehende Entwickler wissen sollte. Die Tatsache, dass die Firmen oder Entwickler - in just jenem Forum - nicht mitlesen, bedeutet dann auch, dass sie von dem Problem häufig gar nicht in Kenntnis gesetzt werden. Zumindest wenn das Problem nur in einem einzigen Forum diskutiert wird und nicht die Internet-Laufrunde macht: was man nicht weiß, macht einen auch nicht heiß!

    Jedenfalls habe ich diese Totdiskutierei schon häufig als Außenstehender mitbekommen. Am Ende ärgert man sich über einen Bug - oder was auch immer?! - trägt aber selbst nichts aktiv zur Behebung des Problems bei, weil die Sache in den Weiten des Internets einfach versandet :-(.

    Das ist der Grund, weshalb ich Foren immer nur als weitere Infoquelle empfehle; man sollte schon den involvierten Personen die Probleme schildern, wenn man eine Lösung herbeiführen will (und ihnen auf diese Weise auch die Chance geben, das Problem anzupacken).

    Anders sieht es natürlich aus, wenn Firmen generell keinen Support leisten: dann ist so ein Internet Forum mitunter die einzige Plattform, die überhaupt zur Lösung des Problems beitragen kann.

  4. Spezifische Themen-Blogs: die meisten Blogs bieten ja eine Kommentar Funktion.

    Sofern ein bestimmtes Produkt in einem Blog besprochen oder beworben wurde, stehen die Chancen mitunter nicht schlecht, dass dieses Blog samt der anhängenden Kommentare von Usern gelesen wird, die ebenfalls das dort reviewte Produkt nutzen und sich etwas damit auskennen (manchmal überfliegen sogar Firmen oder Entwickler jene Blogs und antworten auf entsprechende Fragen in den Kommentaren).

    Das hängt aber auch von der Größe des Blogs/der Webseite ab: ein gutes Beispiel ist natürlich DC Rainmakers Blog. Dort lesen ja wirklich sehr, sehr viele Leute Rays Product Reviews und auch viele offizielle Firmen Vertreter tummeln sich dort herum, sodass man über die Kommentarfunktion (= Diskussion) manchmal Antworten erhält, die sonst ausbleiben. Ich bin dort jedenfalls schon des öfteren auf Antworten gestossen, die ich sonst nie ausfindig gemacht hätte (und auch ich antworte dort schon mal :) )


  5. Madame Google: Jeder kennt sie und gleich, ob man diese Dame mag oder nicht, das richtige Suchwort :-) vorausgesetzt und die Zeit und Muse, die Suchergebnisse entsprechend zu filtern, kann Google immer für einen Volltreffer gut sein. Manchmal geht es halt nicht anders (wenn der Support wie weiter oben erwähnt generell ausbleibt).
    Mitunter wird man dann auf ein Forum, ein Blog oder auch auf eine Verkaufsplattform verwiesen ->

  6. Internet Verkaufsplattform: beim großen 'A' findet man für viele dort verkaufte Artikel ja entsprechende Rezensionen.

    Manchmal findet man dort auch gute Hinweise, die man sonst nirgendwo findet. Das läuft dann aber schon auf die sprichtwörtliche Nadelsuche im Heuhaufen hinaus :-(



  7. Firmenchef, Geschäftsführer (Neusprech auch CEO gennant), Aufsichtsrat, etc: wirklich das allerletzte Mittel, wenn bereits alle Stricke gerissen sind und die Eskalation ansteht :).

    CEO WRPSoft
    CEO WRPSoft :-)
    Niemand wird das öffentlich empfehlen und ich tue das jetzt auch nicht!
    Ich bin aber ein, zwei Mal in Situationen geraten - teilweise auch beruflich bedingt - wo es nicht anders ging und dann doch auf diesem Weg ein Kontakt zustande gekommen ist.

    PS: Je sportlicher und lockerer der CEO auf seinem künstlich in Szene gestellten CEO Foto daherkommt, desto größer die Chance, eine wohlwollende Antwort zu erhalten. Bei der typischen CEO-Armhaltung (verschränkte Arme) auf dem Foto ist aber Vorsicht geboten :-)


Und Supportkanäle, die man NICHT nutzen sollte:

(oder nur in Ausnahmefällen, wenn es wirklich gar nicht anders geht)
  1. Private (EMail)-Adressen von Entwicklern, Projektmanager, Supportern, etc.: ich sag's mal so, wer schon mal am Wochende spätnachts aus dem Bett geklingelt wurde (Telefon), der wird wissen, was ich meine.

    Ja, sowas gibt es! Man sollte einfach akzeptieren, dass jeder Mensch auch ein Recht auf ein Privatleben hat. Wer das als User nicht akzeptiert, der darf sich nicht wundern, wenn eine Reaktion ausbleibt oder vielleicht auch mal sehr heftig ausfällt.

    Besonders lustig wird es dann, wenn man privat angeschrieben wird, weil man vor Urzeiten mal für ein bestimmtes Unternehmen tätig war und jetzt als eine Art - in dem Unternehmen versiegte - Infoquelle fungieren soll.
    Jetzt mal nicht die Frage aufgreifend, wie jene private Mailadresse überhaupt in Erfahrung gebracht werden konnte, bleibt bei sowas häufig ein fader Nachgeschmack hängen.

    Wenn man das macht, weil man wirklich keine andere Möglichkeit mehr sieht, an Informationen zu kommen (sprich: keinen Support, nirgends!), dann sollte man aber schon bewusst auf seinen Tonfall achten. Einen Entwickler privat zur Sau zu machen, weil eine Firma nicht imstande ist, Support zu leisten, ist jedenfalls keine gute Sache. Mehr will ich dazu nicht schreiben und um etwaigen Gedankenspielchen zuvorzukommen, nein diese Anmerkung hat jetzt keinen konkreten Hintergrund und ist demnach auch nicht als versteckte Anspielung zu sehen :)

    Ich habe davon einmal Gebrauch gemacht und auch eine Antwort erhalten. Aber meine Frage erfolgte wirklich in einem sehr netten Tonfall und ich hatte mir wirklich dreimal überlegt, den Senden-Button in meinem EMail Programm zu drücken.

    Tipp am Rande: wenn man sich als engagierter User präsentiert, der die Software oder das Produkt gerne nutzt und liebt (!), dann stehen die Chancen natürlich wesentlich besser eine Antwort oder zumindest ein kurzes Feedback zu erhalten. Ein in die EMail eingebettetes schönes Frauen- oder Männerfoto, wie es bei diversen SPAM-Mails aus Russland oder Asien gerne mal vorkommt, dürfte nur dann von Vorteil sein, wenn der Adressat noch sehr jung (junior developer) oder Single ist -> alte Hasen (senior developer) fallen nicht mehr darauf rein :-)  

    Daher, was die Nutzung dieses Support-Kanals betrifft, eher nein, wenn, dann wirklich nur in Ausnahmefällen, wenn es überhaupt gar nicht mehr anders geht!

So, vielleicht konnte dieser Beitrag etwas Hilfestellung leisten (dann hätte er ja einen Sinn erfüllt :) ).

Jeder, der in diese Prozesse schon einmal involviert ist/war, könnte an dieser Stelle sicherlich noch ein paar Internas preisgeben. Freunde macht man sich damit aber nicht! 

Daher nur noch ein letzter Einwurf: in den meisten Fällen versuchen die Firmen schon kundenfreundlich zu agieren, aber der Teufel steckt auch hier wieder mal im Detail. Manchmal geht es halt nicht besser (und manchmal hat es auch seine nicht so guten Gründe).

Und  nochmal, wer jetzt meint, diesem Beitrag versteckte Anspielungen oder Widersprüche entnehmen zu können, der irrt und darf diese gerne (für sich) behalten :-) Don't take the things too seriously!

Danke fürs Lesen.

To be continued...

Montag, 2. Oktober 2017

Werbung ist böse (oder doch nicht?)

Dieser Beitrag soll nur mal etwas zum Denken anregen (aus dem Blickwinkel einer kleinen Independent Software-Klitsche und dem dahinterstehenden Kopf).

Richtig diskutieren kann man das Thema leider nicht, da die Positionen zu unterschiedlich sind und man sich - je nach eigener Sichtweise - sehr häufig in Grabenkämpfen verstricken wird.

Daher wäre es gut, den Beitrag erst einmal unvoreingenommen zu lesen oder das Weiterlesen am besten sein zu lassen.

Und ja, natürlich gibt es einen Anlass dieses Thema in meinem Blog aufzugreifen (unter anderem der Vorwurf eines Lesers, der sich daran störte, dass dieses Blog bzw. meine Webseite von ein, zwei kleineren Werbebannern vereinnahmt würde)

Eingebettete Werbebanner


Mal folgende Prämissen aufgeworfen (die ich aber nicht unbedingt teile!):

  • Werbung auf Webseiten ist (meistensevil.
  • Werbung auf kleinen Webseiten, die Software vertreiben, ist total bäh!
    (überhaupt, um Software die was kostet, sollte man einen großen Bogen machen :-) )
  • Werbung auf großen (Nachrichten)-Webseiten ist dann nicht mehr ganz so übel
    (schließlich müssen die Verlage ja von etwas leben und die achso teuren Online-Journalisten müssen auch bezahlt werden).
  • Geschaltete Werbebanner auf privaten Blogseiten sind dann wieder okay, schließlich stellen die meisten Blogger ihre Beiträge unentgeltlich der Öffentlichkeit zur Verfügung und das sollte man honorieren
    (außerdem kann man über diese Werbebanner mitunter gute Schnäppchen machen - was anscheinend aber nur für Werbebanner auf jenen privaten Blogs zutrifft :-) ).
  • ...
  • Man könnte an dieser Stelle jetzt noch vieles aufführen.

Halten wir also fest, bei diesem Thema bewegt man sich in einem ganz engen Korridor. Letztlich ist das alles eine Frage der spezifischen Auslegung - also sehr subjektiv - und überhaupt, Moral kann eben auch sehr subjektiv und ein sehr dehnbarer Begriff sein.

Ich will das Thema an dieser Stelle - wie gesagt - nicht überstrapazieren, sondern lediglich ein paar Denkansätze liefern:

Ja, Werbung versucht uns einzulullen, je mehr Werbung auf uns einprasselt, desto sensibler reagieren wahrscheinlich unsere Synapsen, die jene Sinneswahrnehmungen an die zu verarbeitenden Hirnregionen weiterleiten. Letztlich liegt es dann aber doch an uns selbst, ob wir uns von Werbeversprechen vereinnahmen lassen oder nicht -> genauso, wie man nicht zwangsweise zum Misanthropen mutieren muss, bloß weil die schlechten Nachrichten an manchen Tagen überwiegen
Man muss diese Werbebanner ja nicht anklicken, wenn man sie moralisch für verwerflich hält... (get the hint)!

Weshalb Werbung auf großen Webseiten oder bei bestimmten Themen-Blogs eher hingenommen wird, bei kleinen Nischen-Webseiten hingegen oftmals kritisch hinterfragt wird, wird mir dennoch immer ein Rätsel bleiben. 

So 100% independent zu sein, ist heutzutage eben schwer, eine Erfahrung, die übrigens auch viele Independent Labels machen mussten, denn alleine vom Finger im Mund kann niemand leben (natürlich gibt es auch löbliche Ausnahmen).

'Kleines' rechtsseitiges Werbebanner

Das führt dann zu der etwas seltsam anmutenden Situation, dass Blog XY als moralisch integer erachtet wird, wohingegen Blog YX, das nebenbei auch eine spezielle Nischensoftware supported, moralisch verwerflich ist.
Letztlich leisten beide Blogs in etwa das Gleiche, sie bringen Infos - ob nützliche oder nicht sei jetzt mal dahingestellt - unentgeltlich unter die Leute, verfolgen also ähnliche Ziele. Etwas Aufmerksamkeit will übrigens so gut wie jeder Blogger erhaschen, das ist nichts anrüchiges. Und sicherlich gibt es auch Blogs, die primär darauf ausgerichtet sind, Einnahmen - in welcher Form auch immer - zu erzielen (was aber per se auch nicht verwerflich ist, sofern der Informationsgehalt oder der damit einhergehende Spaß stimmt -> über Sinn und Zweck und die Wertigkeit eines Blogs müssen wir an dieser Stelle hoffentlich nicht diskutieren).

Zurück zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags:

Wer meint, dass man als Maintainer einer Nischen-Webseite (oder Blogs) mit dem Einbetten einiger weniger Werbebanner reich wird, der glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann (oder zumindest an den Osterhasen).

Mal davon abgesehen, dass einige Blogdienste frei zur Verfügung stehen, also keine direkten Kosten verursachen, sieht das bei der Unterhaltung einer Webseite schon wieder etwas anders aus. 

Wenn man sich nicht auf eine sehr rudimentäre Webseite beschränkt, wird man a) für die Gestaltung der Webseite Kosten aufwenden müssen - sofern man das nicht in Eigenregie macht - und b) auch das Hosting der Webseite wird etwas kosten (und zwar in Form regelmäßiger laufender Kosten: Quartals- oder Monatsweise zu entrichten).

Diese bösen Werbebanner können also bei kleineren Webseiten - wenn überhaupt - nur dazu beitragen, die Unkosten etwas zu decken (und das auch nur, wenn die Werbebanner überhaupt angeklickt werden, denn das Einblenden alleine bringt in der Regel noch keine Kohle). 

Natürlich kann man jetzt argumentieren, wenn es eh wenig bringt, dann kann man es ja auch sein lassen und auf diese böse Werbung verzichten: Hobbies kosten nun mal Geld und wer das nicht bestreiten kann/will, der soll das Hobby eben komplett aufgeben. Ja, das wäre auch eine Lesart, der man sich anschließen kann oder auch nicht, denn ob das auf Dauer die richtige Lesart ist, das sei mal dahingestellt...

Abschließend will ich anmerken, dass ich niemanden zum Anklicken diverser Werbebanner verleiten will (schon gar nicht in diesem Blog :) ), zumal Google als ein Anbieter solcher Werbebanner sowas - sprich das gezielte Auffordern - gar nicht gerne sieht (die sind diesbezüglich nämlich sehr streng).

Nur sollte man sich als Leser/Besucher einer Webseite oder eines Blogs nicht heiliger geben als es der Papst ist und von vornherein diese bösen Werbebanner* und den Maintainer der Webseite oder des Blogs verdammen. 
Denn auch hier gilt, leben und leben lassen und nicht alles was kostenlos ist, ist auch umsonst (mal sehr frei ausgelegt :) )
Manchmal muss man auch mal über den eigenen Schatten springen und wenn ich auf einer Webseite oder in einem Blog ein für mich interessantes Banner sehe, dann klicke ich das auch schon mal an.

* böse Werbebanner: ja, es gibt Banner, die stoßen mir auch auf, nämlich jene (Ganzseiten) Banner, die sich gezielt über den Inhalt einer Webseite setzen und auch sehr schwer weggeklickt werden können, da der Schließen Button oft bewusst versteckt platziert ist -> von diesen  Rich-Media Bannern spreche ich hier aber bewußt nicht, sondern von kleinen - eher statischen - Bannern, die niemanden wirklich weh tun. Und ja, politischen Bannern bin ich selbstredend auch kritisch gegenüber eingestellt, die haben nämlich auf Webseiten nichts zu suchen, vor allem nicht, wenn die betreffenden Webseiten - wie meine eigene und viele andere auch! - unpolitisch sind.  

Wer diesen Beitrag jetzt als Jammerei erachtet, der sollte noch einmal an den Anfang Zurückscrollen und den Beitrag ein weiteres Mal von vorne lesen. Jammern ist dann doch etwas anderes.

Ich betreibe diesen Blog jetzt seit ca.einem Jahr und - auch wenn die Themenschwerpunkte meines Blogs in der Tat sehr spezifisch sind und nur eine bestimmte Zielgruppe ansprechen dürften - so denke ich, dass die ein oder andere gute Information meinem Blog entnommen werden kann.

Nur kommt es immer mal wieder vor, dass mir vereinzelt unredliche Ziele - oder gar Abzockerei - vorgehalten wird, was an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten ist, ehrlich!
Nachdem ich diesen Sachverhalt mit anderen Bloggern diskutiert habe, die zum einen ähnliche Erfahrungen, zum anderen aber auch gänzlich andere Erfahrungen gemacht haben, kamen wir zu dem Schluss, dass vorallem die Verknüpfung nicht freier Software mit einem Blog ein zentraler Punkt bei der Wertung solcher Bannerfragen zu sein scheint.
Aber das scheint dann auch wieder mit der Größe des Softwareprojektes und des Blogs zu korrelieren: wenn z.B. ein Entwickler, der bei einer großen Firma angestellt ist, nebenbei ein (privates) Blog führt, in dem der ein oder andere Tipp zu 'seiner' Software veröffentlicht wird, dann geht das häufig - trotz eingestreuter Werbung - schon wieder in Ordnung.
Nun, ok, das wäre ein anderes Thema und nein, über böse Kommerzsoftware versus guter freier Software werde ich an dieser Stelle jetzt nicht auch noch sinnieren :-)

Etwas komisch ist das aber schon, denn bei einem reinen Themenblog, das sich z.B. der Vorstellung bestimmter Produkte widmet, wird jene eingebettete Werbung oftmals kritiklos hingenommen. Da werden die besprochenen Produkte gleich mit dem entsprechenden Amazon Kauf-Link versehen und niemand stört sich daran, sondern ist sogar erfreut, dass er im Netz nicht mehr die Suche anwerfen muss.

Halten wir also fest: irgendwelche Synapsen oder Schnittstellen in unserem Kopf scheinen bei der Beurteilung über gut oder schlecht eine sehr große (subjektive) Rolle zu spielen.

Werbung ist also nicht per se böse. Jedenfalls scheint das so, wenn wir uns unser Verhalten mal vor Augen halten. Einer meiner Lieblingssätze gilt also auch hier: alles ist relativ!

Fazit: 

Alles worauf ich hinaus will, ist, dass man das vielleicht mal etwas entspannter sehen und angehen sollte -> sonst macht das Leben nämlich irgendwann keinen Spaß mehr, wenn der eigene Moraldetektor bereits beim kleinsten nichtigen Anlass anschlägt (auch der Blutdruck wird es Einem danken) :-) .

Oder anders gesagt, wenn ich das Haus verlasse, dann bin ich echt froh, keinen Geigerzähler mein Eigen zu nennen, denn ich glaube, das ständige Knirschen dieses Gerätes würde mich nur verrückt machen. :)

Hier mal was zum Entspannen: The Busters - Is It True

Danke fürs Lesen.

To be continued...

Montag, 18. September 2017

Smarte Navigation mit Beeline (der Weg ist - wieder mal - das Ziel :-) )

Dies ist so eine Art spontanes (Kurz)-Review, weil ich vor einigen Wochen (mal wieder dank DC Rainmaker) auf ein Gadget gestoßen bin, das mir seit einiger Zeit wirklich Spaß bereitet.

Auf den ersten Blick kommt dieses Gagdet möglicherweise etwas unscheinbar daher: man könnte fast meinen, den Deckel einer profanen Trinkflasche vor sich liegen zu haben (zumindest im unausgeklappten Zustand) :-)



Prolog:

Die (Marketing) Phrase smarte Navigation ist eigentlich ziemlich ausgelutscht, zumal ich in der Vergangenheit öfters mit Geräten zu tun hatte - zum Teil auch beruflich bedingt -, die sich diese smarte Navigation auf die Fahnen geschrieben hatten, dann aber in der Realität alles andere als smart rüber kamen. Sowas hinterlässt natürlich bleibende Eindrücke.

Ich will an dieser Stelle auch gar nicht größer diskutieren, was es mit dem Terminus Smart Navigation so auf sich haben könnte (man kann da sicherlich vieles hinein interpretieren).

Das Navi, das alles genauso macht, wie wir Anwender es gerne hätten, wird sowieso schwer zu finden sein. Es liegt aber auf der Hand, dass es unterschiedliche Anwendungsszenarien für diese Geräte gibt:

  • sofern man so ein Dingens beruflich benötigt oder als Pfadfinder nutzt, um schnell zum Ziel zu kommen, wird man spezielle Ansprüche an so ein Gerät haben. Eine einfache Bedienung könnte einer davon sein, primär wird man aber auf eine zielgerichtete Navigation Wert legen, die einen - ohne große Umwege - zum angepeilten Ziel führt.
  • nutzt man so ein Ding in der Freizeit, dann... hm, da war doch was:
    Entschleunigung ist neuerdings so eine Modewort, das manchmal etwas aufgesetzt daher kommt.
    Aber wenn man eine Zeit lang wirklich komplett am Anschlag funktionieren musste - was in unserer sich immer schneller veränderten Welt leider immer mehr als Must-Have hingenommen wird - und dadurch bedingt innerlich gar nicht mehr zur Ruhe kommt, dann wird man sich eventuell dieser Entschleunigung neu besinnen (müssen).
    Kurzum, es liegt an uns selbst, ob wir die Freizeit oder das Hobby zur Entspannung nutzen wollen oder die Alltagshektik und den daraus resultierenden Stress (bewußt) in die Freizeit mitnehmen.

Verharren wir an dieser Stelle also bei der Freizeit und den Hobbies, die man verbissen oder - sagen wir besser - zielstrebig betreiben kann und/oder eben auch etwas entspannter - d.h. zielloser.
Radfahren ist so eine typische Freizeitbeschäftigung und auch hier gilt, ob man dieses - mitunter sportliche - Hobby zielstrebig oder entspannt... wir drehen uns gerade im Kreis.
Aber dieser Exkurs macht schon etwas Sinn, da die Zielstrebigkeit bei dem hier besprochenen Gadget eine sehr große Rolle spielt (wie ich gleich ausführen werde) :-)

Genug geschwafelt, nun zu den harten...

Fakten:

'Warum sich dabei (die Navigation ist gemeint) nicht auf das Wesentliche konzentrieren', mögen sich ein paar smarte Engländer gedacht haben. Jedenfalls kommt das Ergebnis dieser Überlegungen, in Form des oben erwähnten Gadgets, das sich Beeline nennt, bei mir so an.

Wer ein vollroutingfähiges GPS Gerät sucht, muss an dieser Stelle nicht weiterlesen. Wer Navigation einmal anders erleben will, nämlich nur als grobe Vorgabe des Ziels und die dadurch bedingten Einbußen und Eigenarten in Kauf nehmen kann und will, für den könnte das Beeline interessant sein.

Das Beeline Gerät, das sich jener smarten Navigation widmet, ist also kein Navi im engeren Sinne und will das offensichtlich auch gar nicht sein. Am ehesten könnte man es als Wegweiser beschreiben oder - etwas technischer formuliert -, als smarte intelligente elektronische Kompassnadel.

Das bedeutet: man gibt einen Zielpunkt vor und das Beeline weist uns mittels eines großen Pfeils auf dem Display die Richtung in Form einer Luftlinie. That's all!

So sieht das dann im Einsatz aus:
Keine konkreten Navigationsanweisungen (!), sondern wirklich nur ein profaner Pfeil, der die Luftlinie zum angedachten Ziel anzeigt.

Nicht das Ziel ist also der Weg, sondern der Weg das Ziel...

-> und das kann überaus spaßig sein, denn je nach örtlichen Gegebenheiten und vorallem der Strassenführung - oder offroad der Wegführung - wird man das Ziel manchmal relativ direkt ansteuern können, mitunter wird man sich aber regelrecht zum Ziel vorkämpfen müssen.

Again: wenn man schnell auf direktem Wege zum Ziel kommen will/muss, dann ist das natürlich nix.

Hat man aber die Zeit, Umwege bewusst in Kauf zu nehmen, dann wird man häufiger auf Sachen (Zwischenziele) stoßen, die man mitunter gar nicht wahrnehmen würde.

Da sind wir dann wieder bei dieser komischen Entschleunigung. Als Rennradfahrer lasse ich mich ja mitunter gerne Mal von meinem Garmin leiten, der mir dabei akribisch vorschreibt, welche Kreuzung ich wie zu nehmen habe, etc. Und ja, wenn man sich dermaßen (ver)leiten lässt, dann bewegt man sich irgendwann im Tunnel mit dem berühmt berüchtigten Tunnelblick, will nur noch seine Kilometer runterspulen und vieles Sehenswertes bleibt dabei auf der Strecke. Letzteres kann zweifelsohne auch Spaß machen... (ich habe selbst lange genug meine Rennradkilometer runtergespult - will diese Kilometer auch nicht missen! - und auch heute drehe ich auf dem Renner gerne mal schnelle Runden!)

Mit dem Beeline ist das aber etwas anders, da kann sich dieser Tunnelblick gar nicht einstellen, da man ständig mit der Umwelt interagieren muss, um das Ziel zu finden (viele Wege führen bekanntlich nach Rom und das Beeline gibt die grobe Richtung vor) :)

Handling:

Das Beeline besteht im Grunde genommen neben dem eigentlichen Gerät aus einer Silikonhülle, die zugleich auch als Halter fungiert. Das ist richtig genial, da man den Halter immer dabei hat.
Will man das Beeline nutzen, klappt man die Silikonhülle auf und klemmt das Beeline samt Hülle an den Lenker. Beeline hat das alles sehr schön dokumentiert.
Klasse!

Bedient wird das Beeline mittels vierer Soft-Buttons, die sich jeweils in der 90 Grad Position finden, also auf der 3, 6, 9 und 12 Uhr Position. Diese Buttons sind auf dem Beeline durch Punkte kenntlich gemacht und die Bedienung bzw. das gesamte Handling ist bewusst sehr einfach gehalten.


Einfache Ziele (einzelner Wegpunkt) oder Routen (mehrere Wegpunkte):

Als nächstes muss man dann zwingend die Beeline App öffnen, die es für Android und IOS gibt, und einen Zielpunkt wählen. Das kann entweder in Textform erfolgen, die App nutzt dann die Google Suche, um das Schlagwort (Ziel) zu finden oder man kann auch die Kartenansicht aufrufen und den Zielpunkt anklicken, sodass dieser übernommen wird.

Darüber hinaus kann man Ziele natürlich auch als Favoriten speichern, sodass man diese später durch Anklicken schnell wieder zuweisen kann.

In der Kartenansicht kann man übrigens auch mehrere Wegpunkte zusammenklicken, sodass man eine grobe Route vorgeben kann.
Man hangelt sich dann von Wegpunkt zu Wegpunkt, was in der Praxis auch recht gut funktioniert.

Man muss dabei nur beachten, dass die vorgegebenen Wegpunkte auch direkt angefahren werden, damit das Beeline das Passieren der Wegpunkte registriert und zum nächsten Wegpunkt weiterschaltet.

Dazu ist es nötig, sich dem Wegpunkt auf mindestens 100 Meter anzunähern, ansonsten bekommt das Beeline das Umfahren des Wegpunktes nicht mit. In dem Fall kann man aber durch Drücken des Oben-Buttons (12 Uhr Position) den nächsten Wegpunkt im Beeline manuell anspringen.

Dadurch, dass unterhalb des (Ziel)Vorgabepfeils die aktuelle Distanz zum Zielpunkt angezeigt wird und sich diese beim Anfahren des Ziels verringern sollte (und beim Entfernen vom Ziel erhöhen sollte), kann man gut abschätzen, ob man sich dem Ziel (oder Wegpunkt) annähert oder nicht.

Neuerdings ist es auch möglich, Routenvorgaben im GPX-Format mit der Android App zu importieren, sodass man sich aus dem Netz Routen herunterladen kann, denn man dann Wegpunkt basiert nachfährt.

Ich habe das bisher nur anhand sehr einfacher Routen, mit wenigen Routenwegpukten, angetestet, die ich mit dem in der TrainingLab Pro integrierten Routeneditor erstellt hatte.

Das hat sehr gut funktioniert, allerdings wird das in der Praxis vermutlich nicht immer 100% funktionieren.
Nämlich dann, wenn z.B. bei komplexen Routen, mit sehr vielen Routenwegpunkten, Wegpunkte nicht nahe genug gestreift und passiert werden und das Beeline daher den Wegpunktwechsel nicht mitbekommt.

Dann wird man wahrscheinlich zu oft den nächsten Routenpunkt manuell anspringen müssen, was den ganzen Charme dieser smarten Navigation zunichte machen dürfte.

Das Beeline hat meines Erachtens eine andere Stärke und das ist eben die relativ freie Zielführung; eine komplexe Routenführung konterkariert dieses System in meinen Augen schon wieder ein bisschen. Aber das ist sehr subjektiv und es gibt sicherlich User, die aus dem Beeline gerne ein vollwertiges Navi machen würden!

App und gekoppeltes Smartphone (ohne App geht gar nichts!):

Generell ist zu sagen, dass die Beeline Macher an der wichtigen App noch weiterschrauben. Im Beeline Forum werden Ideen und Anregungen gesammelt und womöglich wird noch die ein oder andere Verbesserung Einzug halten.
Es ist halt noch ein sehr junges Gadget und die Leute dahinter scheinen selbst Spaß an ihrem Baby zu haben (was für uns User schon mal nicht schlecht sein dürfte, wenn die Eltern selbst gerne mit dem Baby spielen :) )

Zu der Beeline App wäre noch zu sagen, dass diese jetzt schon einige kleine Schmankerl aufweist (so ganz ohne social media geht es halt heutzutage nicht mehr, was mich alten Sack manchmal aber auch etwas irritiert):

  • unter anderem werden die gefahrenen Touren rudimentär protokolliert (ein Herunterladen der protokollierten Tracks ist (derzeit?) aber noch nicht möglich!), was allerdings auch bedeutet, dass man diese Daten der Beeline Infrastruktur preisgibt, da die Tracks anscheinend auf deren Server zentral abgelegt werden (? -> nix genaues weiß ich aber nicht). Man kann in der Beeline App allerdings die protokollierten Touren auch manuell löschen.
  • Touren können mit Fotos verknüpft werden, um diese Touren dann zu Teilen. Ich bin von diesem Facebook und Co Sharen eigentlich kein großer Freund, aber das ist ganz gut gemacht und man kann auf diese Weise sehr leicht etwas andere virtuelle Postkarten erstellen. Das sieht dann beispielsweise so aus:
 (um etwaigen erbosten Anfragen zuvorzukommen: natürlich haben wir die Geierlay Hängebrücke per pedes in Beschlag genommen - und nicht mit dem Fahrrad! - man/frau kann mit dem Beeline Navi nämlich auch Wandern :), wenngleich das Fahrrad eigentlich das Haupteinsatzgebiet dafür sein dürfte) 

Wie gesagt, das Beeline kann ohne ein dazugehörendes Smartphone nicht genutzt werden (ohne App kann man das Beeline maximal als Kompass nutzen, der immer Richtung Norden zeigt -> Kompasse gibt es aber in bewährter Form auch deutlich preiswerter beim großen 'A' :-) ).

Das bedeutet, es ist eine dauerhafte Bluetooth Verbindung nötig und das Smartphone muss darüber hinaus auch die für das Beeline sehr wichtigen GPS-Koordinaten liefern, was leider Akkuleistung kostet.

Letztlich wird das alles über die Beeline App gehandelt, das Beeline selbst nennt wahrscheinlich nur einen sehr hochwertigen elektrischen (vermutlich drei-Achsen) Kompass als zentrale Komponente sein Eigen (mittlerweile weiß ich, dass das Beeline doch ein paar mehr wichtige technische Komponenten verbaut hat :-) ).

Daher macht es auch Sinn, die Akkuwerte des Smartphones gelegentlich im Auge zu behalten, was im Beeline selbst erfolgen kann. Soweit ich das jetzt beurteilen kann, steigt der Akkuverbrauch des Smartphones natürlich an, hält sich aber noch im Rahmen.
Bei einer längeren Tagestour wird sich das aber doch negativ bemerkbar machen, zumal das Handy dann seiner zentralen Funktion beraubt werden könnte, wenn ihm der Saft ausgeht.
Wie auch immer, hier muss man sich einfach bewusst sein, dass die Kopplung Smartphone <-> externes Gerät immer eine zusätzliche Belastung darstellt und das Beeline wegen eines fehlenden GPS-Chips, dem Handy noch mehr Akkuleistung abverlangen wird.

Touren von bis zu fünf Stunden Dauer waren für mein gekoppeltes Huawei P9 Lite bisher kein echtes Problem. Bei längeren Touren kommen bei mir dann aber doch wieder Garmin und Konsorten zum Einsatz, sprich, das Beeline ist für mich - wie oben bereits angesprochen - ein Freizeit-Gadget.
Bei meinen Rennrad-Touren kommt es nicht zum Einsatz und macht für dieses Einsatzprofil m.E. auch keinen echten Sinn, da beim Rennradfahren doch mehr das Trainieren im Vordergrund steht (und nicht das Erkunden der Umgebung, was beim Training in der Regel nur ein Nebenaspekt ist)!

Die Akkulaufzeit des Beeline selbst ist aufgrund des verwendeten Display-Typs übrigens sehr hoch. Je nach Nutzungshäufigkeit genügt es, das Beeline alle paar Wochen aufladen.

Schlussbetrachtung:

Man kann diesem Kurz-Review hoffentlich entnehmen, dass ich von dem Beeline sehr positiv angetan war und immer noch bin.
Aufgrund meiner Erfahrungen, die ich in der Vergangenheit mit sogenannten Smart-Navis machen durfte, war ich anfangs sehr skeptisch, was dieses selbsternannte neue Smart Navi Gadget betraf (zu oft schon bin ich Opfer diverser Marketing-Phrasen geworden). Aber DC Rainmakers Kurzvorstellung hat mich neugierig gemacht und dann doch zum Kauf bewogen.

Was ist beim Beeline denn so grundlegend anders? Kurz, es funktioniert einfach! :-)

Ich weiß nicht warum, aber sicherlich spielt der im Beeline verbaute Kompass eine große Rolle und die Tatsache, dass man heutzutage mittels Smartphone on-the-fly Ziele vorgeben kann, setzt der Funktionalität noch eines drauf.
Ohne jetzt Namen nennen zu wollen, ich hatte Smart Navis im Einsatz, bei denen ich interimsweise sogar die PC Software etwas praxistauglicher machen sollte, aber spätestens dann, wenn sich die Theorie der Praxis stellen musste, versagten diese Geräte (zumindest was meine - vielleicht zu - spezifischen Anwendungsprofile betraf).

Das Handling war recht umständlich, da man zuhause auf dem PC die Wegpunkte mühevoll erstellen musste - da keine Smartphone Anbindung - und der Kompass in diesen Geräten funktionierte auch nicht so, wie er sollte.

Entweder funktionierte der Kompass rein GPS gestützt, was bedeutet, dass man sich immer mit einer bestimmten Grundgeschwindigkeit bewegen musste, um überhaupt eine verlässliche Kompassfunktion zu haben oder der implementierte elektr. Kompass musste immer wieder aufs Neue kalibriert werden (und selbst dann zeigte die virtuelle Kompassnadel oftmals irgendwo hin, nur nicht zum konkreten Zielpunkt :-) ).

Beim Beeline ist das komplett anders. Das Zusammenspiel Beeline App <-> Beeline Gerät funktioniert sehr gut und ist sehr praxisgerecht realisiert worden und der elektrische Kompass funktioniert einfach super smooth (selbst Störungen durch magnetische Störfelder kann dieser bis zu einem gewissen Grad kompensieren!).

Damit wäre fast alles gesagt. In jedem Fall ist diese smarte Navigationsart eine neue Erfahrung und wer sich, wie gesagt, mit den systembedingten Eigenarten anfreunden kann, der wird diesem Gadget vermutlich einiges abgewinnen können und sehr viel Spaß haben.

Ich hatte wirklich sehr große Zweifel, was die Nutzbarkeit des Beelines betrifft und jetzt erwische ich mich immer öfter dabei, wie ich das Beeline spontan an meinem Alltagsrad anbringe und mal kurz auf Erkundungstour gehe. Die letzten Wochen sind mir wirklich sehr viele Objekte in der Umgebung aufgefallen, für die ich nie ein Auge hatte.

Durch diese smarte Navigation, die ein aktives Mitarbeiten bedingt, ändert sich einfach der Blickwinkel! 

Wenn das eine smarte Navigation ausmacht, dann ist das Beeline das erste smart navigation device, das mir unter die Fittiche gekommen ist. Smart ist es in jedem Fall :-)

Tipps und Tricks:

Aufgrund der zwingenden App Anbindung ist es nötig, dass die App auch im Hintergrund ausgeführt wird. Bei manchen Handys kann man in den Power-Settings einstellen, dass Anwendungen, die im Hintergrund laufen, autom. geschlossen werden sollen, wenn das Handy in den Ruhezustand versetzt wird. Das wäre hier kontraproduktiv. Bei meinem Huawei musste ich daher die Beeline App in die Ausnahmeliste aufnehmen (diese Liste kann z.B. im Telefonmanager aufgerufen werden ('Bereinigen im Sperrzustand')).
Andere Handymarken nutzen andere Termini dafür, aber normalerweise findet man jene Einstellungen in den Power-Settings.

Das Beeline schläft normalerweise und wird erst beim Start der Beeline-App mit dem Handy aktiv verbunden, was dadurch kenntlich gemacht wird, dass auf dem Beeline Display die Meldung 'Where to?' zu sehen ist. Sollte das Beeline beim Start der App nicht automatisch geweckt werden (Beeline Logo oder Uhrzeit auf dem Beeline Display zu sehen), dann hat es sich bei mir bewährt, die Beeline App zu schließen und ein zweites Mal aufzurufen. Für gewöhnlich erwachte das Beeline dann und alles war gut :-)

Beim Beenden der Beeline App bleibt - zumindest bei meinem Smartphone - die Standortabfrage aktiv (das Standortsymbol ist oben rechts in der Statusbar weiherhin zu sehen). Ich weiß nicht, ob das zusätzlichen Strom kostet (nehme es aber mal an). Jedenfalls beende ich die Beeline App zusätzlich über die App Übersicht und das Standortsymbol verschwindet dann auch sofort.
Tipp an den Hersteller: sollte diese Standortfunktion wirklich zu einem höheren Stromverbrauch führen, würde sich ein dezidierter 'Beenden' Button in der App sehr gut machen, damit man die App nach Nutzung komplett beenden kann.

Noch eine letzte Anmerkung:

Beeline setzt virales Marketing sehr gekonnt ein, was beispielsweise zu sehen ist, wenn man die Hersteller Webseite ansurft und dem User, die gerade verkauften Geräte, mittels einer kleinen PopUp Meldung unten am Bildschirmrand nur so um die Ohren fliegen (erinnert etwas an diese lustigen Verkaufscounter, die bei Dauerwerbesendungen gerne Anwendung finden und den Kaufanreiz etwas künstlich triggern sollen).
Ja mei!, ich sag's mal so, ohne gescheites Marketing geht's halt heutzutage nicht und ein Startup, das dieses Metier beherrscht, hat es sicherlich leichter. Insofern habe ich damit kein Problem (wünschte mir sogar, ich hätte diesbezüglich beim TrainingLab Projekt ein etwas glücklicheres Händchen) :)

Bezahlt haben mich die Beeline Leute für diesen Review definitiv nicht :) und das Beeline wurde von mir auch ganz regulär erworben (unter anderem, weil ich es bei Nichtgefallen ja hätte zurückgeben können).

Hersteller Link: https://beeline.co/

So, dieses kurzes Review ist jetzt doch etwas länger geraten... danke trotzdem fürs Lesen :-)

To be continued...

Dienstag, 12. September 2017

Schnell oder langsam, alles relativ ('Wer misst misst Mist')

Gleich vorweg, die hier getätigten Ausführungen mögen nicht jedem gefallen, spielt der Vergleich der protokollierten Daten doch eine immer größere Rolle in unserem Leben (Strava und Co lassen grüßen, selbst Facebook und Twitter müssen mittlerweile herhalten, die Trainingsrunden öffentlich zu machen :-)).
Aber sie spiegeln nun mal meine Erfahrungen mit der Auswertung elektronischer Sportmessdaten wider und manchmal ist es ja nicht falsch, den eigenen Erfahrungsschatz kundzutun :-)

In diversen Reviews werden gerne die Kurven unterschiedlicher Geräte überlagert, um Aussagen über die Genauigkeit treffen zu können. Auch DC Rainmaker macht das gerne.
Bei bestimmten Messwerten macht das durchaus Sinn (z.B. bei der Herzfrequenz, vorallem wenn man die Zeitachse zugrunde legt, auch bei Leistungsdaten, etc.).

Bei SPD-Messwerten kann man damit aber unter Umständen lediglich Abweichungen skizzieren, was auch darin begründet liegt, dass man schwer sagen kann, welche SPD-Kurve als Referenzkurve taugt und welche SPD-Kurven fehlerbehaftet sind (get the hint -> alles ist eben relativ!).

Dass es bei reinen GPS basierten Messungen (größere) Ungenauigkeiten geben kann, das hatte ich im vorhergehenden Blog Beitrag bereits erläutert: GPS-Daten oder spezifische Sensordaten
Dass es mitunter aber auch bei sensorbasierten Daten größere Abweichungen geben kann, dürfte vielleicht etwas verwundern.

Ich will in diesem Beitrag nun keine Wissenschaft daraus machen, sondern lediglich anhand einiger Fallbeispiele diese Differenzen skizzieren (technische Hintergründe bleiben in diesem Beitrag jetzt erstmal außen vor bzw. werden nur oberflächlich angeschnitten -> das ist dann eher etwas für die Physiker/Mathematiker und Maschinenbauer unter uns :) ).

Dieser Beitrag umfasst folgende Themenblöcke 
(die mittels diverser Vergleichsgrafiken dann auch illustriert werden):

  • GPS basierte Daten gegenüber 'Sensordaten'
  • GPS basierte Daten gegenüber GPS basierten Daten
  • SPD Sensordaten gegenüber SPD Sensordaten
  • HF-Daten (Pulsgurt basierte Messung gegenüber optischer Pulsmessung)

GPS-(SPD)-Werte versus spezifischen sensorbasierten SPD-Messdaten


Die bereits erwähnten Ungenauigkeiten haben oft zur Folge, dass man reine GPS-Aufzeichnungen mit Aufzeichnungen, die auf spezifischen Sensordaten basieren, oft nicht richtig vergleichen kann. Oftmals liegen die Statistikdaten, die am Ende der Aufzeichnung berechnet werden, dann aber doch relativ dicht beisammen. Wenn man Glück hat, passen sogar die Kurven der Datenreihen einigermaßen zusammen, wirklich darauf verlassen kann und sollte man sich aber nicht (gerade was die einzelnen Datenkurven in den Auswertungscharts betrifft)!

Sensor basierte SPD-Daten

Sehr vereinfacht gesagt beziehen sich sensorbasierte SPD-Daten auf Impulse, die von den Sensoren erfasst werden und an die dahinterwerkelnde Software (Firmware) weitergereicht werden. Die Software kann im nächsten Schritt aus den Impulsen anhand bekannter Parameter (Laufradgröße oder Schrittweite und verstrichene Zeit zwischen den Impulsen) SPD-Werte berechnen.

Das System dahinter ist recht einfach, die weitergereichten Impulse sind von der Laufradgröße oder eben der Schrittlänge abhängig, daher relativ konstant, was den Impulsgeber betrifft.

Beim Laufrad (Fahrradcomputer) kann man eine nahezu konstante Impulsquelle konstatieren; bei der Schrittfrequenz könnte man in der Theorie wieder eine kleine Ungenauigkeit herbei diskutieren, wenn man davon ausgeht, dass die Schrittlänge auch variieren kann: beim Sprinten dürfte die Schrittlänge eine andere sein als beim normalen Dauerlauf, selbst ein heftiger Muskelkater oder eine profane Ermüdung wird die Schrittlänge unter Umständen beeinflussen  -> aber das ist zugegeben sehr akademischer Natur.
Dennoch findet (daher) m.W. auch bei Verwendung eines Foot Pods intern eine schwach ausgeprägte Datenglättung statt, bevor die berechneten SPD-Werte auf dem Display angezeigt werden.

Alles in allem sind diese Daten aber doch recht valide, da ein relativ konstanter Impulsgeber die Daten generiert.

GPS basierte SPD-Daten

Hält man sich nun vor Augen, dass GPS basierte Daten prinzipbedingt gegen Ungenauigkeiten der Eingangsdaten ankämpfen müssen (again siehe hier: GPS-Daten oder spezifische Sensordaten), dann liegt es auf der Hand, dass man die unterschiedlich gewonnen Daten nicht wirklich miteinander vergleichen kann.
Kommen dann noch gelegentliche GPS Empfangsaussetzer hinzu (dichter Wald, etc.), hat das natürlich noch größeren Einfluss auf die GPS basierten Werte!

Beispiele:
Garmin Forerunner 620 (Sensor/Pod basiert), dunkelfarbene Kurven vs. Polar M400 (GPS basiert), hellfarbene Kurven
(Hinweis: die Daten sind in der Grafik mit Faktor 20 geglättet)


Die SPD-Kurven weichen etwas voneinander ab, die Herzfrequenzkurven hingegen harmonieren recht gut, obwohl unterschiedliche HF-Gurte genutzt wurden (FR620 mit ANT+ HRM-Run-Gurt gekoppelt und M400 mit Polar H7 Bluetooth Gurt). Allerdings benötigt der Polargurt - weshalb auch immer? - etwas Zeit, sich 'einzupendeln'.

By the way, ungeglättet sähe dieser Vergleich so aus:


Sehr gut zu erkennen, dass die GPS-basierte SPD-Kurve (helle Kurve) ein deutlich ausgeprägtes Rauschen (Zittern) aufweist. Die einzelnen Nulllinien beim M400 sind offenbar Folge kurzer GPS Aussetzer (bei einem kurzen Ampelstopp bin ich ca. 10 Meter zwei- bis dreimal auf und ab gerannt, gut möglich, dass der GPS-Chipsatz des M400 diese kurze Distanz nicht richtig einordnen konnte und infolge einer Datenglättung einen Stopp daraus abgeleitet hat)!

GPS basierte SPD-Daten gegenüber GPS basierten SPD-Daten

Wenn die Eingangsdaten bereits mit einem Rauschen versehen sind, das je nach GPS Chipsatz und auch Empfangsqualität (de facto kommen hierbei noch wesentlich mehr Randbedingungen zum Tragen) unterschiedlich ausgeprägt sein wird, dann liegt es auf der Hand, dass jene Daten nicht miteinander verglichen werden können. Passagenweise wird es sicherlich die eine oder andere Übereinstimmung geben, aber das Rauschen der Daten wird überwiegen. Wenn man diese Datenkurven ungeglättet übereinanderlegt, dann wird man sehr wahrscheinlich zwei nicht miteinander harmonierende Kurven sehen.

Beispiel:
TomTom Spark3 (GPS basiert), dunkelfarbene Kurven vs. Polar M400 (GPS basiert), hellfarbene Kurven
(Hinweis: die Daten sind in der Grafik mit Faktor 20 geglättet)


Hier weichen die SPD-Kurven doch deutlich voneinander ab, wobei die SPD-Kurve des Spark3 sehr 'ruhig' aussieht. Das kommt dadurch zustande, dass TomTom bei seinen Sportuhren die SPD-Werte sehr stark glättet, was sich während des Trainings leider auch durch eine sehr träge reagierende Pace-Anzeige bemerkbar macht.

Hervorzuheben wäre an dieser Stelle noch, dass die beiden HR-Kurven, von der kurzen Abweichung ganz zu Beginn der Aufzeichnung abgesehen, sehr gut miteinander harmonieren. Verglichen mit der Pulskurve des FR620 würde diese Abweichung zu Beginn der Aufzeichnung sogar komplett entfallen (dazu weiter unten mehr)!

Die Polar M400 war mit einem herkömmlichen Polar HR-Bluetooth Pulsgurt gekoppelt (siehe oben), wohingegen der TomTom Spark3 mit einem optischen, am Arm angebrachten, Rhythm Scosche HR Monitor gekoppelt war, der nicht nur von mir, sondern auch von DC Rainmaker gerne genutzt wird. 

Der Grafik kann man entnehmen, dass moderne optische Pulsmesser durchaus recht valide Daten liefern. Für Alltagsaufgaben (Grundlagentraining) sind die meisten optischen Pulsmesser m.M. sehr gut* nutzbar, für ein pulsbasiertes Intervalltraining würde ich aber weiterhin die bewährten Pulsgurte empfehlen (die optischen HR-Monitore weisen bei harten Intervallen, die zu sprunghaften HR-Anstiegen führen können, manchmal eine zu hohe Latenzzeit auf -> das scheint aber auch von Individuum zu Individuum unterschiedlich zu sein, bei mir liefert der Scosche in der Regel sehr gute Werte, verglichen mit der Pulsgurt basierten Messung).

* wobei es bei den optischen HR Monitoren große Qualitätsunterschiede geben soll, was ich aus eigenen Erfahrungen nur bestätigen kann. Der Scosche spielt dabei sicherlich in der oberen Liga mit.

Nur der Vollständigkeit halber, hier nochmal in ungeglätteter Form:



Sensordaten gegenüber Sensordaten

Hier gilt folgendes: sofern Fahrrad-SPD-Werte miteinander verglichen werden, der gleiche Sensortyp* Verwendung findet und bei allen Bike-Computern exakt der gleiche Radumfang eingestellt ist, sollten die Daten sehr dicht beieinanderliegen. Je nach Art der Datenmodulation (werden die eingehenden Impulse z.B. nur alle 5 Sek erfasst oder alle Sek, etc,) kann es geringfügige Abweichungen geben. Generell sollten die Daten aber gut miteinander harmonieren. 

*Sensortypen: mittlerweile gibt es neben den altbekannten SPD-Sensoren, die mittels eines separaten Magneten einen Impuls erzeugen auch moderne Sensoren, die anhand eines Bewegungssensors die SPD-Daten modulieren. Diese Modulation der Daten ist wesentlich komplexer und soweit ich das beurteilen kann, erzeugen diese Sensoren teilweise andere Daten. 
Ob man diese Daten gut miteinander vergleichen kann vermag ich an dieser Stelle nicht zu sagen, da es abweichende Erfahrungswerte gibt. Hier fehlt mir derzeit auch etwas der technische Einblick, da ich nicht weiß, wie diese Sensoren intern die Impulse erzeugen, die der Bike Computer benötigt..Es muss eine Art Schnittstelle geben, da auch ältere Bike Computer mit diesen Daten zurecht kommen sollen/müssen. Das bedeutet, diese neuen SPD-Sensoren müssen intern die Daten entsprechend aufbereiten -> die auf Bewegungssensoren basierten Daten müssen also intern aufbereitet werden, damit sie mit alten Bike Computern, die (nur) Impulse auswerten, kompatibel bleiben.

Beispiele:

Bike (Rennrad) Aufzeichnungen:
Garmin Edge 800 (Sensor basiert), dunkelfarbene Kurven vs. Lezyne Enhanced Mini C (Sensor basiert), hellfarbene Kurven
(Hinweis: die Daten sind in der Grafik mit Faktor 20 geglättet)


Hier muss man wirklich schon mit einer Lupe nach Abweichungen suchen. Der nach hinten hin leicht auftretende Drift dürfte Folge von geringfügig abweichenden Radumfängen sein (Radumfang in den Bikecomputern unterschiedlich eingestellt, da der Edge800 diesen automatisch bestimmt). Beide Bike Computer waren mit denselben ANT+ SPD und HR-Sensoren gekoppelt.

Aufzeichnung einer kurzen Laufrunde (war sehr windig an dem Tag :-) ):
Garmin FR 620 (Sensor basiert), dunkelfarbene Kurven vs. o-synce ScreenEye (Sensor basiert), hellfarbene Kurven
(Hinweis: die Daten sind in der Grafik ungeglättet)



Dass die HR-Kurven dicht aufliegen erstaunt nicht, da beide Laufcomputer mit demselben ANT+ HRM-Run Gurt gekoppelt waren.

Auffällig sind die Abweichungen der SPD-Kurven. Hierzu ist folgendes anzumerken: 

Der FR620 bekommt die SPD-Daten vom HRM-Run Brustgurt geliefert, der laut Garmin einen intelligenten Lauf-Pod beinhaltet, der lernfähig sein soll, was den Laufstil des Läufers betrifft. 

Demgegenüber hat die ScreenEye die SPD-Daten von einem herkömmlichen SPD(Foot)-Pod bezogen. Außerdem wurde bei der ScreenEye der Default-Schrittlängenfaktor verwendet, den man normalerweise aber kalibirieren sollte, damit die eigene (mitunter aber variable!) Schrittlänge bei der Berechnung Beachtung findet.Insofern sind die SPD-Daten nicht 100% miteinander vergleichbar und ich müsste bei Gelegenheit noch mal einen Test machen, bei dem beide Sportuhren mit demselben Foot-Pod gekoppelt sind.Trotzdem kann man der Grafik entnehmen, dass die Abweichungen auch hier wesentlich geringer sind, gegenüber den GPS-basierten SPD-Daten Aufzeichnungen.

HF-Daten (Pulsgurt basierte Messung gegenüber optischer Pulsmessung)

Das Thema wird immer wieder kontrovers in den diversen Foren diskutiert. Mal davon abgesehen, dass die optischen HR-Messer im Laufe der Zeit immer weiter verbessert und optimiert wurden, mag es physiologisch bedingt Sportler (Menschen) geben, bei denen diese Messart einfach nicht gut funktioniert.

Auch die Sportart spielt wohl eine große Rolle: beim Radfahren stoßen optische Pulsmesser, die am Handgelenk getragen werden, durch den von der Armhaltung bedingten Knick, häufig an ihre Grenzen. 

Dem kann man aber in gewisser Weise begegnen, in dem man diese Pulsmesser an der Arminnenseite anbringt oder - was wohl die besten Ergebnisse liefert - einen optischen Pulsmesser verwendet, den man sehr weit oben am Unterarm oder Oberarm platzieren kann. Der weiter oben bereits erwähnte Rhythm Scosche HR Monitor kann dank zweier unterschiedlich langer Klettbänder problemlos an diesen Körperstellen getragen werden.

Generell zu behaupten, dass die optische Pulsmessung nix taugt und einem Lotteriespiel gleichkäme, zeugt meines Erachtens aber nur von Unkenntnis. Ich habe mittlerweile einige dieser optischen Pulsmesser testen können und von der ersten Generation dieser HR-Monitore abgesehen, funktionieren diese Pulsmesser bei mir sehr gut. Mehr will ich an dieser Stelle daher auch gar nicht schreiben, anbei nochmal eine Grafik, die das gut verdeutlicht.

Beispiel:
Garmin Forerunner 620, dunkelfarbene Kurven vs. TomTom Spark 3, hellfarbene Kurven
(Hinweis: die Kurven sind in der Grafik ungeglättet!)


Wer meint, den beiden HR-Kurven große Abweichungen entnehmen zu können, der muss wirklich über ein sehr gut ausgeprägtes Sehvermögen verfügen (Adleraugen sind das wohl nicht mehr, sondern das dürfte dann eher in Richtung Elektronenmikroskop gehen :-) )


Schlussbetrachtung:

Womöglich kommt jetzt die Frage auf, wozu diese ganzen Gegenüberstellungen.

Um ehrlich zu sein, so richtig kann ich den Grund bzw. die Motivation, diesen Blog Beitrag zu schreiben, jetzt auch nicht (mehr) benennen. Irgendeinen Anlass - wahrscheinlich eine entsprechende Anfrage eines Users - wird es aber gegeben haben :-)

Halten wir also fest, diese Sportcomputer liefern uns Daten, die uns helfen können, unser Training besser zu strukturieren. Auch macht es mitunter Spaß, die Aufzeichnung einer längeren (Rad)-Runde später Revue passieren zu lassen. Die Datenfülle ist mittlerweile fast schon unglaublich, da immer wieder neue Metriken hinzukommen. Hat man sich vor einigen Jahren noch mit HF, SPD, CAD zufrieden gegeben (die Höhenwerte waren Ende der 90'er fast noch Luxus :-) ), gehören mittlerweile Leistungsdaten (beim Radfahren) und diverse extented running metrcis fast schon zwangsweise zum guten Ton.

Dabei sollte man sich aber immer vor Augen halten, dass jeder Sportcomputer eine Art Eigenleben aufweist und je nach Ausgangslage und Art der protokollierten Daten, diese eben nicht so ohne weiteres miteinander vergleichbar sind.
Ob das direkten Einfluss auf das eigene Training hat, steht auf einem anderen Blatt Papier und was die Zusammenfassung der Daten betrifft, werden diese Abweichungen womöglich gar nicht größer von Belang sein.

Eine falsch vorgenommene - oder wie in meinem Fall - eine nicht erfolgte Kalibrierung eines Foot Pods wird in jedem Fall Einfluss auf die SPD-Werte und damit auch auf die Distanz haben (und vice versa).
Genauso sollte natürlich der Radumfang korrekt im Bike Computer justiert sein (um hier eine wirkliche Verzerrung der Werte zu erhalten, muss der Radumfang aber schon gänzlich danebenliegen, eine paar mm Unterschied werden sich kaum bemerkbar machen).

Wenn die SPD- und die Distanzwerte rein auf GPS Daten basieren, dann wird man Abweichungen in Kauf nehmen müssen. Auch wenn es User gibt, die behaupten, ihr GPS würde immer zuverlässige Werte liefern, 'dezidierte SPD-Sensoren wären daher nicht zwingend nötig' -> meine Erfahrung spricht da eine andere Sprache, aber das ist natürlich alles relativ.

Beispielsweise ermittelt Strava die Segment-Zeiten anhand der GPS-Koordinaten. Genauer gesagt wird jeweils der Start- als auch der Endpunkt den GPS Koordinaten (samt den dazugehörigen Zeitstempeln) entnommen. Auf diese Weise kann Strava diverse Verzerrungen egalisieren: unterschiedliche SPD-Werte, die Folge der unterschiedlichen Messmethoden sein können, werden sozusagen gefiltert bzw. von Strava gar nicht beachtet, sondern die AV-SPD eines Segmentes wird von Strava anhand des Start und Endpunktes und der dazugehörenden Zeitstempel selbst berechnet. Sofern die GPS Koordinaten einigermaßen verlässlich sind, funktioniert das auch recht gut.

Große Auswirkungen können diese Abweichungen aber bei der Auswertung der Zwischenzeiten (Laps) haben (jetzt erinnere ich mich, eine solche Anfrage war auch der Grund für diesen Beitrag :-) ).

Ein Leichtathletik Trainer, dessen Zöglinge unterschiedliche Sportcomputer verwenden, hatte mich die Tage auf die Diskrepanz der Zwischenzeitenauswertung angesprochen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Zwischenzeiten automatisch von den Sportcomputern anhand einer festen Distanzvorgabe (z.B. alle 500 Meter) protokolliert wurden oder nachträglich mit der entsprechenden Funktion in der TrainingLab Pro eingefügt wurden. Trotz ähnlicher Laufzeiten seiner Probanden gab es in der Zwischenzeitenaufschlüsselung zum Teil sehr große Abweichungen.

Ja, dem ist so, und das ist größenteils systembedingt. Ich bin derzeit am Eruieren, ob man dem softwaretechnisch - im Nachhinein - etwas begegnen kann.

Falls es interessiert, hier noch eine Aufschlüsselung der Statistikdaten meiner letzten Feierabendrunde in grafischer Form. Das Problem der Zwischenzeitenaufschlüsselung wird hier deutlich, wenn man sich die Zwischenzeiten-Aufschlüsselungen (alle 500 Meter wurden Lapmarker gesetzt) genauer ansieht (die Daten beziehen sich auf ein und denselben Lauf!)


In diesem Sinne gilt also auch hier, wer misst misst Mist :-)

Oder anders gesagt, Datenauswertung mutiert oftmals zur Kunst... (wir in die Jahre gekommenen Punkrocker wissen das zu schätzen :-) )

To be continued...

Dienstag, 4. Juli 2017

GPS Daten oder spezifische Sensor Daten (Part 1: die leidige Sache mit der Genauigkeit)

Vorweg: die hier getätigten Ausführungen beziehen sich auf den Consumer-Bereich, also auf GPS-Geräte, wie wir sie in Form - bezahlbarer - Sportcomputer nutzen. Es gibt im Profi- und militärischen Bereich auch Geräte, die jene Ungenauigkeiten in der hier genannten Form nicht aufweisen (z.B. Differential Global Positioning System)!
(Anmerkung des Verfassers 30.09.2017: möglicherweise wird sich das hier Beschriebene in absehbarer Zeit grundlegend ändern, aber Stand September 2017 sind GPS Daten im Consumer Bereich immer noch 'verlustbehaftet' und mit einer Ungenauigkeit belastet)

Das Thema kommt immer mal wieder auf: sei es die Frage, weshalb Strava andere Zeiten, Geschwindigkeiten, Aufstiegsmeter, etc. berechnet oder ob der GPS-Computer z.B. auch ohne gekoppelten SPD-Sensor zuverlässige Werte liefert, etc.

Um in kurzer Form auf die letzte Frage zu antworten: meiner Erfahrung nach eher nein, auch wenn die GPS-Computer auf den ersten Blick womöglich brauchbare Ergebnisse liefern (die aber auf den zweiten Blick doch etwas hinterfragt werden können).

Dieser Blog-Beitrag erörtert folgende Punkte:

  • GPS-Koordinaten
  • GPS-Höhenwerte 
  • GPS-Geschwindigkeiten
  • Software
    (was mit Auswertungssoftware nachträglich korrigiert werden kann)

GPS-Koordinaten:

Ich möchte bei den GPS-Koordinaten anfangen, da diese die Basis für alle weiteren (daraus) berechneten Daten bilden.
Häufig wird die Qualität eines GPS-Gerätes an der Qualität der von ihm protokollierten GPS-Koordinaten festgemacht (was ja streng betrachtet auch Sinn macht).
In den diversen Tests und Reviews werden gerne Screenshots der aufgezeichneten Tracks gezeigt:

  • stimmt ein Track dabei relativ gut mit den den Strassen/Wegen, die auf der Karte sichtbar sind, überein, dann spricht das für die Qualität des GPS-Gerätes
  • liegt ein Track hingegen des öfteren mal neben dem Strassen-/Wegenetz, dann gibt das natürlich Punktabzüge. 

Soweit so gut. Was man dabei leider verkennt, ist die Tatsache, dass GPS-Tracks im Rohformat quasi immer eine (leichte) zittrige Zickzack-Kurve aufweisen, was alleine schon in der (Un)Genauigkeit des GPS-Systems begründet liegt.

Die smoothen Tracks, die man den Geräten hinterher entnehmen kann, sind immer Folge einer speziellen Datenglättung, die bereits im Gerät stattfindet. 
Zum Teil werden die Daten bereits im GPS-Chipsatz entsprechend geglättet, was optional mittels diverser Settings in gewisser Weise vom Firmwareentwickler noch etwas justiert werden kann. Mitunter findet diese Glättung aber auch erst in der Firmware oder - bei einem Smartphone direkt in der App - statt (also nachdem der GPS Chipsatz die Koordinaten an die Firmware/App bereits durchgereicht hat). 

Manche Geräte glätten die Daten bereits direkt während der Aufzeichnung, was ihnen etwas zusätzliche Rechenleistung abverlangt, andere Geräte hingegen glätten die Daten erst am Ende, also just in dem Moment, in dem der Track im TCX-, GPX-, FIT-Format - oder welches Format auch immer genutzt wird - final gespeichert wird.

Wie auch immer, das sind jetzt nur technische Details. Wichtig ist halt zu wissen, dass das GPS-Gerät die GPS-Daten in gewisser Weise nachbehandeln muss. Und natürlich kommt einem Hersteller eine gewisse Erfahrung dabei zugute, auch wenn die Datenglättung als solches sicherlich keine Raketenwissenschaft ist, aber der Teufel steckt auch hier wieder mal im Detail -> übertreibt man es nämlich mit der Glättung, ist das auch wieder suboptimal, bleibt die Glättung aus oder wird zu konservativ geglättet, dann kommt der Track - wie oben beschrieben - oft sehr zittrig über!

Um das kurz zu skizzieren, hier eine kleine Animation, die eine kurze Testrunde in Rohdatenform zeigt (einer GPS Beta Firmware entnommen, bei der noch keine Glättung implementiert war) und die gleiche Testrunde, protokolliert mit der einer verbesserten Firmware.
Diese Aufzeichnungen wurden natürlich parallel angefertigt, also gleiche Empfangsbedingungen, etc.
In der erwähnten Beta Firmware war eine hohe Samplerate eingestellt, sonst wäre die Zickzack-Trackskizze noch ausgeprägter (man sollte den Unterschied der Animation trotzdem entnehmen können).


Halten wir also fest, etwas 'Voodoo' Zauberei ist immer dabei und wir sehen hinterher Daten bzw. Tracks, die genauer erscheinen, als sie ursprünglich protokolliert wurden. 

Die Hersteller verwenden unterschiedliche Verfahren bzw. greifen natürlich auch auf einen Erfahrungspool zurück. Kartentaugliche Geräte können unter Umständen die Tracks sogar mit dem hinterlegten Kartenmaterial abgleichen, wobei das allerdings auch wieder zu einer Verzerrung führen kann (wenn man z.B. nicht auf der Strasse gefahren ist, sondern bewusst knapp neben der Strasse, etc.).

Hält man sich diese systemimmanente Ungenauigkeit vor Augen, liegt es auf der Hand, dass die daraus berechneten Parameter eben auch verlustbehaftet sein müssen.

Womöglich werden jetzt einige Leser einwerfen, dass vorallem die Sampling-Rate, mit der die Activities protokolliert werden, großen Einfluss auf die Genauigkeit hat. Ja und nein, natürlich können viele Messpunkte die Genauigkeit erhöhen, wenn aber die Eingangsdaten bereits systembedingt mit einer Ungenauigkeit behaftet sind, dann führt selbstredend auch eine kleine Samplerate zu verrauschten Daten, sodass auch in diesem Fall zwingend geglättet werden muss!


Höhenwerte:

Was die  Höhendaten betrifft, so sollte mittlerweile bekannt sein, dass rein auf GPS-Daten basierte Höhenwerte mit Vorsicht zu genießen sind. Diesbezüglich findet man im Netz zum Teil wirklich sehr gute Erklärungen, die diese Problematik detailreich erörtern (stellvertretend sei hier auf einen Strava Artikel verwiesen, der sich dem Thema annimmt).

Ich würde Barometer basierte Höhendaten immer vorziehen, wenn es darum geht, Auf- und Abstiegsmeter zu erfassen. Zwar spielen bei diesen rein errechneten Werten auch noch andere Dinge mit rein, wie die (hoffentlich) verwendete Hysterese, also der Algorithmus, der letztlich bestimmt, welche Höhenänderungen in die Berechnung einfließen und welche nicht, aber die Drucksonde weist in der Regel sowieso eine gewisse Trägheit auf, die verhindert, dass die Daten durch sprunghafte Werte verfälscht werden.
Dadurch hat man schon viel gewonnen. Selbst bei unbeständigem Wetter (Luftdruckänderungen, die das Barometer natürlich beeinflussen), hat der dadurch bedingte Drift eher wenig Einfluss auf die Berechnung der Auf- und Abstiegsmeter.

Die Abweichungen bei den berechneten Auf- und Abstiegsmeter, die immer mal wieder zu Diskussionen führen, liegen m.E. eher in den unterschiedlichen Algorithmen begründet, die die Hersteller verwenden.
Der alte, damals richtig geniale CicloSport HAC4 Bikecomputer wies m.E. einen sehr guten Algorithmus auf, der recht sinnige kumulierte Werte hervorbrachte.
Auch die alten Avocet Bikecomputer und die Avocet Vertech Bergsteigeruhr lieferten sehr gute Auf- und Abstiegswerte. Soweit ich weiß, hat kein geringerer als der in der Radszene sehr bekannte Jobst Brandt, den in den Avocet Bike Computern verwendeten (Hysterese)-Algorithmus beigesteuert (hier ein interessanter Newsgroup-Beitrag von Jobst Brandt, der das Thema ansatzweise beleuchtet: Altimeters).
Leider gingen irgendwann viele Hersteller dazu über, eher mehr Höhenmeter zu berechnen (unter anderem, weil der Kunde das angeblich so wollte (!) -> mehr ist schließlich immer gut :) ). Es gab/gibt auch Geräte, die auf eine Hysterese komplett verzichten und jeden noch so kleinen Hubbel - als auch Luftzug! - in die Berechnung der Auf- und Abstiegsmeter miteinbeziehen (was natürlich Käse ist - aber es kommen halt (sehr) viele Höhenmeter zustande - und was wiederum dazu führt, dass man diese Werte gar nicht mehr miteinander vergleichen kann, da jedes Gerät irgendeinen (Phantasie)Wert berechnet bzw. vorgibt).

Anders verhält es sich bei den absoluten Höhenwerten, die bei unbeständigem Wetter schon mal dazu führen können, dass die Max.-Höhe nicht der Realität entspricht oder bei einem Rundkurs die Ausgangshöhe <> der Zielhöhe ist (was natürlich so nicht sein sollte!). Von einem heftigen Gewitter mal abgesehen, das zu einem starken Luftdruckabfall und dann -anstieg führen kann, wird man bei normalen Wetterlagen aber - wenn überhaupt - nur einen leichten Drift haben, der in der Höhenprofilgrafik kaum auffallen wird.

Bei reinen GPS basierten Höhendaten sieht das anders aus, hier wird man der Aufzeichnung so gut wie immer eine Höhenkurve entnehmen können, die irgendwas abbildet, nur nicht das reale Höhenprofil.

Sämtliche meiner Laufuhren, die allesamt nur GPS-basiert die Höhe messen, weisen daher recht schaurige Höhenprofile auf (wobei TomTom das bei der Spark3 gut kaschiert, da die Höhendaten m.W. beim Importieren über das Web korrigiert bzw. sogar erst zugewiesen werden, sodass die GPS Höhenwerte gar nicht zum Tragen kommen) :-)

Again: vergleicht man ein Höhenprofil, das einem Bikecomputer mit Barometermessung entnommen wurde mit einem Höhenprofil, das rein auf GPS-Höhendaten basiert, so wird man sehr große Abweichungen feststellen.

Hier das GPS basierte Höhenprofil gegenüber einem parallel aufgezeichneten Barometer basierten Höhenprofil:


Daher kommen Strava und Konsorten bei GPS basierten Messungen auch nicht umhin, die Höhendaten anhand einer Datenbank (SRTM Daten) zu korrigieren, um halbwegs vergleichbare Segmente zu erhalten.
Hier eine Gegenüberstellung GPS basierter Höhendaten <-> SRTM Höhendaten (die SRTM Daten wurden in dieser Grafik allerdings etwas geglättet):


Und da die SRTM-Daten selbst eine Ungenauigkeit aufweisen, wird man die mittels SRTM-Daten korrigierten Höhendaten nur sehr schwer mit barometerbasierten Höhendaten vergleichen können, zumal nach Zuweisung der SRTM-Höhenwerte - aufgrund der groben Rasterung dieser Daten - auch wieder eine Glättung obligatorisch ist.
Barormeterdaten basierte Höhenprofile werden sich hingegen - sofern stabile Wetterverhältnisse herrschten! -  immer sehr ähneln, gleich welches Gerät die Daten aufgezeichnet hat (zumindest was aktuelle Geräte, die Sensoren mit einer Auflösung <= 1 m verwenden, betrifft).


Geschwindigkeitsdaten:

Auch hier wird meiner Erfahrung nach - zumindest im Consumerbereich - kein GPS-Gerät wirklich verlässliche Werte liefern. Die reine GPS-basierte Geschwindigkeit ist immer sprunghaft (was schon darin begründet liegt, dass bereits die GPS-Koordinaten sprunghaft sind (siehe weiter oben)).

Zwar gibt es Bike-/Laufcomputer, die das sehr gut kaschieren können und auf dem Display recht konstante SPD-Werte anzeigen - also große SPD-Sprünge sind auf dem Display nicht sichtbar -, aber das kommt nur durch eine Glättung der SPD-Werte zustande.
Auf gut deutsch, die SPD-Werte werden künstlich moduliert, um für uns User als zuverlässig rüberzukommen :)

Bei Laufuhren kann man das sehr gut erkennen, da SPD-Änderungen (kurze Sprints, etc.) oftmals einen Nachlauf aufweisen, also der Sprint muss schon ein paar Sekunden durchgezogen werden, damit man die Max-SPD auf dem Display einsehen kann. Das GPS Gerät muss nämlich erst erkennen, ob es sich um einen Ausreißerwert handelt oder die Tempoverschärfung real ist (vereinfacht formuliert).

Ob diese geglätteten Display-Werte in der Aufzeichnung landen oder dort die SPD-Daten in Reinform gespeichert werden, ist dann nochmal eine andere Frage. Mir sind GPS-Computer untergekommen, die die SPD-Werte geglättet speichern, aber auch GPS-Geräte, welche die SPD-Werte ungeglättet speichern, was spätestens in der Auswertungssoftware als sehr sprunghafte SPD-Kurve aufschlagen wird.

Hier eine Grafik, die das Rauschen der GPS-SPD hoffentlich einigermaßen veranschaulicht:


Und zum Vergleich eine Laufrunde, die mit einem Garmin FR620 in Kombination mit dem im Pulsgurt integrierten Lauf-Pod, aufgezeichnet wurde. Deutlich zu sehen, dass die protokollierten Daten kaum Rauschen aufweisen und daher die in der TrainingLab Pro optionale Glättung weniger stark aufschlägt.



Bei Aufzeichnungen von Bike-Aktivitäten sind die Auswirkungen ähnlich, wenngleich aufgrund der deutlich höheren Geschwindigkeiten, die GPS-Geräte verlässlichere SPD-Werte modulieren können.
Je geringer die Geschwindigkeit, desto größer ist oft das Rauschen -> prinzipiell wird der Bike-Computer mit einem spezifischen SPD-Sensor aber auch in diesem Fall genauere SPD-Werte ermitteln können.

Daher auch an dieser Stelle nochmal der Hinweis: wenn das GPS-Gerät bei Verwendung der GPS-SPD auf dem Display konstante SPD-Werte anzeigt, dann ist das eher Folge einer guten Glättung, die im Hintergrund stattfindet und nicht der validen GPS-Rohdaten, die das Gerät durchreicht!


Software:
(was mit Auswertungssoftware nachträglich korrigiert werden kann)

Um diesen Beitrag nicht unnötig aufzublähen, werde ich das Software Thema später in einem gesonderten Blog-Beitrag erörtern. Sonst würde dieser Beitrag zu sehr TrainingLab Pro lastig werden, was einer geschickt eingebetteten Werbung gleichkäme (das will ich in diesem Artikel, der primär der Information dienen soll, aber vermeiden).


Summa summarum:

Unschwer zu erkennen, dass das mit der gewünschten Genauigkeit so eine Sache ist. Immer wieder wurde von mir auf die Datenglättung hingewiesen und damit sollte eigentlich klar sein, dass diese gesamte Technik mehr oder weniger eine Approximation ist. Man sollte seine Datenausbeute also nicht überwerten :).


To be continued...