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Montag, 18. September 2017

Smarte Navigation mit Beeline (der Weg ist - wieder mal - das Ziel :-) )

Dies ist so eine Art spontanes (Kurz)-Review, weil ich vor einigen Wochen (mal wieder dank DC Rainmaker) auf ein Gadget gestoßen bin, das mir seit einiger Zeit wirklich Spaß bereitet.

Auf den ersten Blick kommt dieses Gagdet möglicherweise etwas unscheinbar daher: man könnte fast meinen, den Deckel einer profanen Trinkflasche vor sich liegen zu haben (zumindest im unausgeklappten Zustand) :-)



Prolog:

Die (Marketing) Phrase smarte Navigation ist eigentlich ziemlich ausgelutscht, zumal ich in der Vergangenheit öfters mit Geräten zu tun hatte - zum Teil auch beruflich bedingt -, die sich diese smarte Navigation auf die Fahnen geschrieben hatten, dann aber in der Realität alles andere als smart rüber kamen. Sowas hinterlässt natürlich bleibende Eindrücke.

Ich will an dieser Stelle auch gar nicht größer diskutieren, was es mit dem Terminus Smart Navigation so auf sich haben könnte (man kann da sicherlich vieles hinein interpretieren).

Das Navi, das alles genauso macht, wie wir Anwender es gerne hätten, wird sowieso schwer zu finden sein. Es liegt aber auf der Hand, dass es unterschiedliche Anwendungsszenarien für diese Geräte gibt:

  • sofern man so ein Dingens beruflich benötigt oder als Pfadfinder nutzt, um schnell zum Ziel zu kommen, wird man spezielle Ansprüche an so ein Gerät haben. Eine einfache Bedienung könnte einer davon sein, primär wird man aber auf eine zielgerichtete Navigation Wert legen, die einen - ohne große Umwege - zum angepeilten Ziel führt.
  • nutzt man so ein Ding in der Freizeit, dann... hm, da war doch was:
    Entschleunigung ist neuerdings so eine Modewort, das manchmal etwas aufgesetzt daher kommt.
    Aber wenn man eine Zeit lang wirklich komplett am Anschlag funktionieren musste - was in unserer sich immer schneller veränderten Welt leider immer mehr als Must-Have hingenommen wird - und dadurch bedingt innerlich gar nicht mehr zur Ruhe kommt, dann wird man sich eventuell dieser Entschleunigung neu besinnen (müssen).
    Kurzum, es liegt an uns selbst, ob wir die Freizeit oder das Hobby zur Entspannung nutzen wollen oder die Alltagshektik und den daraus resultierenden Stress (bewußt) in die Freizeit mitnehmen.

Verharren wir an dieser Stelle also bei der Freizeit und den Hobbies, die man verbissen oder - sagen wir besser - zielstrebig betreiben kann und/oder eben auch etwas entspannter - d.h. zielloser.
Radfahren ist so eine typische Freizeitbeschäftigung und auch hier gilt, ob man dieses - mitunter sportliche - Hobby zielstrebig oder entspannt... wir drehen uns gerade im Kreis.
Aber dieser Exkurs macht schon etwas Sinn, da die Zielstrebigkeit bei dem hier besprochenen Gadget eine sehr große Rolle spielt (wie ich gleich ausführen werde) :-)

Genug geschwafelt, nun zu den harten...

Fakten:

'Warum sich dabei (die Navigation ist gemeint) nicht auf das Wesentliche konzentrieren', mögen sich ein paar smarte Engländer gedacht haben. Jedenfalls kommt das Ergebnis dieser Überlegungen, in Form des oben erwähnten Gadgets, das sich Beeline nennt, bei mir so an.

Wer ein vollroutingfähiges GPS Gerät sucht, muss an dieser Stelle nicht weiterlesen. Wer Navigation einmal anders erleben will, nämlich nur als grobe Vorgabe des Ziels und die dadurch bedingten Einbußen und Eigenarten in Kauf nehmen kann und will, für den könnte das Beeline interessant sein.

Das Beeline Gerät, das sich jener smarten Navigation widmet, ist also kein Navi im engeren Sinne und will das offensichtlich auch gar nicht sein. Am ehesten könnte man es als Wegweiser beschreiben oder - etwas technischer formuliert -, als smarte intelligente elektronische Kompassnadel.

Das bedeutet: man gibt einen Zielpunkt vor und das Beeline weist uns mittels eines großen Pfeils auf dem Display die Richtung in Form einer Luftlinie. That's all!

So sieht das dann im Einsatz aus:
Keine konkreten Navigationsanweisungen (!), sondern wirklich nur ein profaner Pfeil, der die Luftlinie zum angedachten Ziel anzeigt.

Nicht das Ziel ist also der Weg, sondern der Weg das Ziel...

-> und das kann überaus spaßig sein, denn je nach örtlichen Gegebenheiten und vorallem der Strassenführung - oder offroad der Wegführung - wird man das Ziel manchmal relativ direkt ansteuern können, mitunter wird man sich aber regelrecht zum Ziel vorkämpfen müssen.

Again: wenn man schnell auf direktem Wege zum Ziel kommen will/muss, dann ist das natürlich nix.

Hat man aber die Zeit, Umwege bewusst in Kauf zu nehmen, dann wird man häufiger auf Sachen (Zwischenziele) stoßen, die man mitunter gar nicht wahrnehmen würde.

Da sind wir dann wieder bei dieser komischen Entschleunigung. Als Rennradfahrer lasse ich mich ja mitunter gerne Mal von meinem Garmin leiten, der mir dabei akribisch vorschreibt, welche Kreuzung ich wie zu nehmen habe, etc. Und ja, wenn man sich dermaßen (ver)leiten lässt, dann bewegt man sich irgendwann im Tunnel mit dem berühmt berüchtigten Tunnelblick, will nur noch seine Kilometer runterspulen und vieles Sehenswertes bleibt dabei auf der Strecke. Letzteres kann zweifelsohne auch Spaß machen... (ich habe selbst lange genug meine Rennradkilometer runtergespult - will diese Kilometer auch nicht missen! - und auch heute drehe ich auf dem Renner gerne mal schnelle Runden!)

Mit dem Beeline ist das aber etwas anders, da kann sich dieser Tunnelblick gar nicht einstellen, da man ständig mit der Umwelt interagieren muss, um das Ziel zu finden (viele Wege führen bekanntlich nach Rom und das Beeline gibt die grobe Richtung vor) :)

Handling:

Das Beeline besteht im Grunde genommen neben dem eigentlichen Gerät aus einer Silikonhülle, die zugleich auch als Halter fungiert. Das ist richtig genial, da man den Halter immer dabei hat.
Will man das Beeline nutzen, klappt man die Silikonhülle auf und klemmt das Beeline samt Hülle an den Lenker. Beeline hat das alles sehr schön dokumentiert.
Klasse!

Bedient wird das Beeline mittels vierer Soft-Buttons, die sich jeweils in der 90 Grad Position finden, also auf der 3, 6, 9 und 12 Uhr Position. Diese Buttons sind auf dem Beeline durch Punkte kenntlich gemacht und die Bedienung bzw. das gesamte Handling ist bewusst sehr einfach gehalten.


Einfache Ziele (einzelner Wegpunkt) oder Routen (mehrere Wegpunkte):

Als nächstes muss man dann zwingend die Beeline App öffnen, die es für Android und IOS gibt, und einen Zielpunkt wählen. Das kann entweder in Textform erfolgen, die App nutzt dann die Google Suche, um das Schlagwort (Ziel) zu finden oder man kann auch die Kartenansicht aufrufen und den Zielpunkt anklicken, sodass dieser übernommen wird.

Darüber hinaus kann man Ziele natürlich auch als Favoriten speichern, sodass man diese später durch Anklicken schnell wieder zuweisen kann.

In der Kartenansicht kann man übrigens auch mehrere Wegpunkte zusammenklicken, sodass man eine grobe Route vorgeben kann.
Man hangelt sich dann von Wegpunkt zu Wegpunkt, was in der Praxis auch recht gut funktioniert.

Man muss dabei nur beachten, dass die vorgegebenen Wegpunkte auch direkt angefahren werden, damit das Beeline das Passieren der Wegpunkte registriert und zum nächsten Wegpunkt weiterschaltet.

Dazu ist es nötig, sich dem Wegpunkt auf mindestens 100 Meter anzunähern, ansonsten bekommt das Beeline das Umfahren des Wegpunktes nicht mit. In dem Fall kann man aber durch Drücken des Oben-Buttons (12 Uhr Position) den nächsten Wegpunkt im Beeline manuell anspringen.

Dadurch, dass unterhalb des (Ziel)Vorgabepfeils die aktuelle Distanz zum Zielpunkt angezeigt wird und sich diese beim Anfahren des Ziels verringern sollte (und beim Entfernen vom Ziel erhöhen sollte), kann man gut abschätzen, ob man sich dem Ziel (oder Wegpunkt) annähert oder nicht.

Neuerdings ist es auch möglich, Routenvorgaben im GPX-Format mit der Android App zu importieren, sodass man sich aus dem Netz Routen herunterladen kann, denn man dann Wegpunkt basiert nachfährt.

Ich habe das bisher nur anhand sehr einfacher Routen, mit wenigen Routenwegpukten, angetestet, die ich mit dem in der TrainingLab Pro integrierten Routeneditor erstellt hatte.

Das hat sehr gut funktioniert, allerdings wird das in der Praxis vermutlich nicht immer 100% funktionieren.
Nämlich dann, wenn z.B. bei komplexen Routen, mit sehr vielen Routenwegpunkten, Wegpunkte nicht nahe genug gestreift und passiert werden und das Beeline daher den Wegpunktwechsel nicht mitbekommt.

Dann wird man wahrscheinlich zu oft den nächsten Routenpunkt manuell anspringen müssen, was den ganzen Charme dieser smarten Navigation zunichte machen dürfte.

Das Beeline hat meines Erachtens eine andere Stärke und das ist eben die relativ freie Zielführung; eine komplexe Routenführung konterkariert dieses System in meinen Augen schon wieder ein bisschen. Aber das ist sehr subjektiv und es gibt sicherlich User, die aus dem Beeline gerne ein vollwertiges Navi machen würden!

App und gekoppeltes Smartphone (ohne App geht gar nichts!):

Generell ist zu sagen, dass die Beeline Macher an der wichtigen App noch weiterschrauben. Im Beeline Forum werden Ideen und Anregungen gesammelt und womöglich wird noch die ein oder andere Verbesserung Einzug halten.
Es ist halt noch ein sehr junges Gadget und die Leute dahinter scheinen selbst Spaß an ihrem Baby zu haben (was für uns User schon mal nicht schlecht sein dürfte, wenn die Eltern selbst gerne mit dem Baby spielen :) )

Zu der Beeline App wäre noch zu sagen, dass diese jetzt schon einige kleine Schmankerl aufweist (so ganz ohne social media geht es halt heutzutage nicht mehr, was mich alten Sack manchmal aber auch etwas irritiert):

  • unter anderem werden die gefahrenen Touren rudimentär protokolliert (ein Herunterladen der protokollierten Tracks ist (derzeit?) aber noch nicht möglich!), was allerdings auch bedeutet, dass man diese Daten der Beeline Infrastruktur preisgibt, da die Tracks anscheinend auf deren Server zentral abgelegt werden (? -> nix genaues weiß ich aber nicht). Man kann in der Beeline App allerdings die protokollierten Touren auch manuell löschen.
  • Touren können mit Fotos verknüpft werden, um diese Touren dann zu Teilen. Ich bin von diesem Facebook und Co Sharen eigentlich kein großer Freund, aber das ist ganz gut gemacht und man kann auf diese Weise sehr leicht etwas andere virtuelle Postkarten erstellen. Das sieht dann beispielsweise so aus:
 (um etwaigen erbosten Anfragen zuvorzukommen: natürlich haben wir die Geierlay Hängebrücke per pedes in Beschlag genommen - und nicht mit dem Fahrrad! - man/frau kann mit dem Beeline Navi nämlich auch Wandern :), wenngleich das Fahrrad eigentlich das Haupteinsatzgebiet dafür sein dürfte) 

Wie gesagt, das Beeline kann ohne ein dazugehörendes Smartphone nicht genutzt werden (ohne App kann man das Beeline maximal als Kompass nutzen, der immer Richtung Norden zeigt -> Kompasse gibt es aber in bewährter Form auch deutlich preiswerter beim großen 'A' :-) ).

Das bedeutet, es ist eine dauerhafte Bluetooth Verbindung nötig und das Smartphone muss darüber hinaus auch die für das Beeline sehr wichtigen GPS-Koordinaten liefern, was leider Akkuleistung kostet.

Letztlich wird das alles über die Beeline App gehandelt, das Beeline selbst nennt wahrscheinlich nur einen sehr hochwertigen elektrischen (vermutlich drei-Achsen) Kompass als zentrale Komponente sein Eigen (mittlerweile weiß ich, dass das Beeline doch ein paar mehr wichtige technische Komponenten verbaut hat :-) ).

Daher macht es auch Sinn, die Akkuwerte des Smartphones gelegentlich im Auge zu behalten, was im Beeline selbst erfolgen kann. Soweit ich das jetzt beurteilen kann, steigt der Akkuverbrauch des Smartphones natürlich an, hält sich aber noch im Rahmen.
Bei einer längeren Tagestour wird sich das aber doch negativ bemerkbar machen, zumal das Handy dann seiner zentralen Funktion beraubt werden könnte, wenn ihm der Saft ausgeht.
Wie auch immer, hier muss man sich einfach bewusst sein, dass die Kopplung Smartphone <-> externes Gerät immer eine zusätzliche Belastung darstellt und das Beeline wegen eines fehlenden GPS-Chips, dem Handy noch mehr Akkuleistung abverlangen wird.

Touren von bis zu fünf Stunden Dauer waren für mein gekoppeltes Huawei P9 Lite bisher kein echtes Problem. Bei längeren Touren kommen bei mir dann aber doch wieder Garmin und Konsorten zum Einsatz, sprich, das Beeline ist für mich - wie oben bereits angesprochen - ein Freizeit-Gadget.
Bei meinen Rennrad-Touren kommt es nicht zum Einsatz und macht für dieses Einsatzprofil m.E. auch keinen echten Sinn, da beim Rennradfahren doch mehr das Trainieren im Vordergrund steht (und nicht das Erkunden der Umgebung, was beim Training in der Regel nur ein Nebenaspekt ist)!

Die Akkulaufzeit des Beeline selbst ist aufgrund des verwendeten Display-Typs übrigens sehr hoch. Je nach Nutzungshäufigkeit genügt es, das Beeline alle paar Wochen aufladen.

Schlussbetrachtung:

Man kann diesem Kurz-Review hoffentlich entnehmen, dass ich von dem Beeline sehr positiv angetan war und immer noch bin.
Aufgrund meiner Erfahrungen, die ich in der Vergangenheit mit sogenannten Smart-Navis machen durfte, war ich anfangs sehr skeptisch, was dieses selbsternannte neue Smart Navi Gadget betraf (zu oft schon bin ich Opfer diverser Marketing-Phrasen geworden). Aber DC Rainmakers Kurzvorstellung hat mich neugierig gemacht und dann doch zum Kauf bewogen.

Was ist beim Beeline denn so grundlegend anders? Kurz, es funktioniert einfach! :-)

Ich weiß nicht warum, aber sicherlich spielt der im Beeline verbaute Kompass eine große Rolle und die Tatsache, dass man heutzutage mittels Smartphone on-the-fly Ziele vorgeben kann, setzt der Funktionalität noch eines drauf.
Ohne jetzt Namen nennen zu wollen, ich hatte Smart Navis im Einsatz, bei denen ich interimsweise sogar die PC Software etwas praxistauglicher machen sollte, aber spätestens dann, wenn sich die Theorie der Praxis stellen musste, versagten diese Geräte (zumindest was meine - vielleicht zu - spezifischen Anwendungsprofile betraf).

Das Handling war recht umständlich, da man zuhause auf dem PC die Wegpunkte mühevoll erstellen musste - da keine Smartphone Anbindung - und der Kompass in diesen Geräten funktionierte auch nicht so, wie er sollte.

Entweder funktionierte der Kompass rein GPS gestützt, was bedeutet, dass man sich immer mit einer bestimmten Grundgeschwindigkeit bewegen musste, um überhaupt eine verlässliche Kompassfunktion zu haben oder der implementierte elektr. Kompass musste immer wieder aufs Neue kalibriert werden (und selbst dann zeigte die virtuelle Kompassnadel oftmals irgendwo hin, nur nicht zum konkreten Zielpunkt :-) ).

Beim Beeline ist das komplett anders. Das Zusammenspiel Beeline App <-> Beeline Gerät funktioniert sehr gut und ist sehr praxisgerecht realisiert worden und der elektrische Kompass funktioniert einfach super smooth (selbst Störungen durch magnetische Störfelder kann dieser bis zu einem gewissen Grad kompensieren!).

Damit wäre fast alles gesagt. In jedem Fall ist diese smarte Navigationsart eine neue Erfahrung und wer sich, wie gesagt, mit den systembedingten Eigenarten anfreunden kann, der wird diesem Gadget vermutlich einiges abgewinnen können und sehr viel Spaß haben.

Ich hatte wirklich sehr große Zweifel, was die Nutzbarkeit des Beelines betrifft und jetzt erwische ich mich immer öfter dabei, wie ich das Beeline spontan an meinem Alltagsrad anbringe und mal kurz auf Erkundungstour gehe. Die letzten Wochen sind mir wirklich sehr viele Objekte in der Umgebung aufgefallen, für die ich nie ein Auge hatte.

Durch diese smarte Navigation, die ein aktives Mitarbeiten bedingt, ändert sich einfach der Blickwinkel! 

Wenn das eine smarte Navigation ausmacht, dann ist das Beeline das erste smart navigation device, das mir unter die Fittiche gekommen ist. Smart ist es in jedem Fall :-)

Tipps und Tricks:

Aufgrund der zwingenden App Anbindung ist es nötig, dass die App auch im Hintergrund ausgeführt wird. Bei manchen Handys kann man in den Power-Settings einstellen, dass Anwendungen, die im Hintergrund laufen, autom. geschlossen werden sollen, wenn das Handy in den Ruhezustand versetzt wird. Das wäre hier kontraproduktiv. Bei meinem Huawei musste ich daher die Beeline App in die Ausnahmeliste aufnehmen (diese Liste kann z.B. im Telefonmanager aufgerufen werden ('Bereinigen im Sperrzustand')).
Andere Handymarken nutzen andere Termini dafür, aber normalerweise findet man jene Einstellungen in den Power-Settings.

Das Beeline schläft normalerweise und wird erst beim Start der Beeline-App mit dem Handy aktiv verbunden, was dadurch kenntlich gemacht wird, dass auf dem Beeline Display die Meldung 'Where to?' zu sehen ist. Sollte das Beeline beim Start der App nicht automatisch geweckt werden (Beeline Logo oder Uhrzeit auf dem Beeline Display zu sehen), dann hat es sich bei mir bewährt, die Beeline App zu schließen und ein zweites Mal aufzurufen. Für gewöhnlich erwachte das Beeline dann und alles war gut :-)

Beim Beenden der Beeline App bleibt - zumindest bei meinem Smartphone - die Standortabfrage aktiv (das Standortsymbol ist oben rechts in der Statusbar weiherhin zu sehen). Ich weiß nicht, ob das zusätzlichen Strom kostet (nehme es aber mal an). Jedenfalls beende ich die Beeline App zusätzlich über die App Übersicht und das Standortsymbol verschwindet dann auch sofort.
Tipp an den Hersteller: sollte diese Standortfunktion wirklich zu einem höheren Stromverbrauch führen, würde sich ein dezidierter 'Beenden' Button in der App sehr gut machen, damit man die App nach Nutzung komplett beenden kann.

Noch eine letzte Anmerkung:

Beeline setzt virales Marketing sehr gekonnt ein, was beispielsweise zu sehen ist, wenn man die Hersteller Webseite ansurft und dem User, die gerade verkauften Geräte, mittels einer kleinen PopUp Meldung unten am Bildschirmrand nur so um die Ohren fliegen (erinnert etwas an diese lustigen Verkaufscounter, die bei Dauerwerbesendungen gerne Anwendung finden und den Kaufanreiz etwas künstlich triggern sollen).
Ja mei!, ich sag's mal so, ohne gescheites Marketing geht's halt heutzutage nicht und ein Startup, das dieses Metier beherrscht, hat es sicherlich leichter. Insofern habe ich damit kein Problem (wünschte mir sogar, ich hätte diesbezüglich beim TrainingLab Projekt ein etwas glücklicheres Händchen) :)

Bezahlt haben mich die Beeline Leute für diesen Review definitiv nicht :) und das Beeline wurde von mir auch ganz regulär erworben (unter anderem, weil ich es bei Nichtgefallen ja hätte zurückgeben können).

Hersteller Link: https://beeline.co/

So, dieses kurzes Review ist jetzt doch etwas länger geraten... danke trotzdem fürs Lesen :-)

To be continued...

Dienstag, 12. September 2017

Schnell oder langsam, alles relativ ('Wer misst misst Mist')

Gleich vorweg, die hier getätigten Ausführungen mögen nicht jedem gefallen, spielt der Vergleich der protokollierten Daten doch eine immer größere Rolle in unserem Leben (Strava und Co lassen grüßen, selbst Facebook und Twitter müssen mittlerweile herhalten, die Trainingsrunden öffentlich zu machen :-)).
Aber sie spiegeln nun mal meine Erfahrungen mit der Auswertung elektronischer Sportmessdaten wider und manchmal ist es ja nicht falsch, den eigenen Erfahrungsschatz kundzutun :-)

In diversen Reviews werden gerne die Kurven unterschiedlicher Geräte überlagert, um Aussagen über die Genauigkeit treffen zu können. Auch DC Rainmaker macht das gerne.
Bei bestimmten Messwerten macht das durchaus Sinn (z.B. bei der Herzfrequenz, vorallem wenn man die Zeitachse zugrunde legt, auch bei Leistungsdaten, etc.).

Bei SPD-Messwerten kann man damit aber unter Umständen lediglich Abweichungen skizzieren, was auch darin begründet liegt, dass man schwer sagen kann, welche SPD-Kurve als Referenzkurve taugt und welche SPD-Kurven fehlerbehaftet sind (get the hint -> alles ist eben relativ!).

Dass es bei reinen GPS basierten Messungen (größere) Ungenauigkeiten geben kann, das hatte ich im vorhergehenden Blog Beitrag bereits erläutert: GPS-Daten oder spezifische Sensordaten
Dass es mitunter aber auch bei sensorbasierten Daten größere Abweichungen geben kann, dürfte vielleicht etwas verwundern.

Ich will in diesem Beitrag nun keine Wissenschaft daraus machen, sondern lediglich anhand einiger Fallbeispiele diese Differenzen skizzieren (technische Hintergründe bleiben in diesem Beitrag jetzt erstmal außen vor bzw. werden nur oberflächlich angeschnitten -> das ist dann eher etwas für die Physiker/Mathematiker und Maschinenbauer unter uns :) ).

Dieser Beitrag umfasst folgende Themenblöcke 
(die mittels diverser Vergleichsgrafiken dann auch illustriert werden):

  • GPS basierte Daten gegenüber 'Sensordaten'
  • GPS basierte Daten gegenüber GPS basierten Daten
  • SPD Sensordaten gegenüber SPD Sensordaten
  • HF-Daten (Pulsgurt basierte Messung gegenüber optischer Pulsmessung)

GPS-(SPD)-Werte versus spezifischen sensorbasierten SPD-Messdaten


Die bereits erwähnten Ungenauigkeiten haben oft zur Folge, dass man reine GPS-Aufzeichnungen mit Aufzeichnungen, die auf spezifischen Sensordaten basieren, oft nicht richtig vergleichen kann. Oftmals liegen die Statistikdaten, die am Ende der Aufzeichnung berechnet werden, dann aber doch relativ dicht beisammen. Wenn man Glück hat, passen sogar die Kurven der Datenreihen einigermaßen zusammen, wirklich darauf verlassen kann und sollte man sich aber nicht (gerade was die einzelnen Datenkurven in den Auswertungscharts betrifft)!

Sensor basierte SPD-Daten

Sehr vereinfacht gesagt beziehen sich sensorbasierte SPD-Daten auf Impulse, die von den Sensoren erfasst werden und an die dahinterwerkelnde Software (Firmware) weitergereicht werden. Die Software kann im nächsten Schritt aus den Impulsen anhand bekannter Parameter (Laufradgröße oder Schrittweite und verstrichene Zeit zwischen den Impulsen) SPD-Werte berechnen.

Das System dahinter ist recht einfach, die weitergereichten Impulse sind von der Laufradgröße oder eben der Schrittlänge abhängig, daher relativ konstant, was den Impulsgeber betrifft.

Beim Laufrad (Fahrradcomputer) kann man eine nahezu konstante Impulsquelle konstatieren; bei der Schrittfrequenz könnte man in der Theorie wieder eine kleine Ungenauigkeit herbei diskutieren, wenn man davon ausgeht, dass die Schrittlänge auch variieren kann: beim Sprinten dürfte die Schrittlänge eine andere sein als beim normalen Dauerlauf, selbst ein heftiger Muskelkater oder eine profane Ermüdung wird die Schrittlänge unter Umständen beeinflussen  -> aber das ist zugegeben sehr akademischer Natur.
Dennoch findet (daher) m.W. auch bei Verwendung eines Foot Pods intern eine schwach ausgeprägte Datenglättung statt, bevor die berechneten SPD-Werte auf dem Display angezeigt werden.

Alles in allem sind diese Daten aber doch recht valide, da ein relativ konstanter Impulsgeber die Daten generiert.

GPS basierte SPD-Daten

Hält man sich nun vor Augen, dass GPS basierte Daten prinzipbedingt gegen Ungenauigkeiten der Eingangsdaten ankämpfen müssen (again siehe hier: GPS-Daten oder spezifische Sensordaten), dann liegt es auf der Hand, dass man die unterschiedlich gewonnen Daten nicht wirklich miteinander vergleichen kann.
Kommen dann noch gelegentliche GPS Empfangsaussetzer hinzu (dichter Wald, etc.), hat das natürlich noch größeren Einfluss auf die GPS basierten Werte!

Beispiele:
Garmin Forerunner 620 (Sensor/Pod basiert), dunkelfarbene Kurven vs. Polar M400 (GPS basiert), hellfarbene Kurven
(Hinweis: die Daten sind in der Grafik mit Faktor 20 geglättet)


Die SPD-Kurven weichen etwas voneinander ab, die Herzfrequenzkurven hingegen harmonieren recht gut, obwohl unterschiedliche HF-Gurte genutzt wurden (FR620 mit ANT+ HRM-Run-Gurt gekoppelt und M400 mit Polar H7 Bluetooth Gurt). Allerdings benötigt der Polargurt - weshalb auch immer? - etwas Zeit, sich 'einzupendeln'.

By the way, ungeglättet sähe dieser Vergleich so aus:


Sehr gut zu erkennen, dass die GPS-basierte SPD-Kurve (helle Kurve) ein deutlich ausgeprägtes Rauschen (Zittern) aufweist. Die einzelnen Nulllinien beim M400 sind offenbar Folge kurzer GPS Aussetzer (bei einem kurzen Ampelstopp bin ich ca. 10 Meter zwei- bis dreimal auf und ab gerannt, gut möglich, dass der GPS-Chipsatz des M400 diese kurze Distanz nicht richtig einordnen konnte und infolge einer Datenglättung einen Stopp daraus abgeleitet hat)!

GPS basierte SPD-Daten gegenüber GPS basierten SPD-Daten

Wenn die Eingangsdaten bereits mit einem Rauschen versehen sind, das je nach GPS Chipsatz und auch Empfangsqualität (de facto kommen hierbei noch wesentlich mehr Randbedingungen zum Tragen) unterschiedlich ausgeprägt sein wird, dann liegt es auf der Hand, dass jene Daten nicht miteinander verglichen werden können. Passagenweise wird es sicherlich die eine oder andere Übereinstimmung geben, aber das Rauschen der Daten wird überwiegen. Wenn man diese Datenkurven ungeglättet übereinanderlegt, dann wird man sehr wahrscheinlich zwei nicht miteinander harmonierende Kurven sehen.

Beispiel:
TomTom Spark3 (GPS basiert), dunkelfarbene Kurven vs. Polar M400 (GPS basiert), hellfarbene Kurven
(Hinweis: die Daten sind in der Grafik mit Faktor 20 geglättet)


Hier weichen die SPD-Kurven doch deutlich voneinander ab, wobei die SPD-Kurve des Spark3 sehr 'ruhig' aussieht. Das kommt dadurch zustande, dass TomTom bei seinen Sportuhren die SPD-Werte sehr stark glättet, was sich während des Trainings leider auch durch eine sehr träge reagierende Pace-Anzeige bemerkbar macht.

Hervorzuheben wäre an dieser Stelle noch, dass die beiden HR-Kurven, von der kurzen Abweichung ganz zu Beginn der Aufzeichnung abgesehen, sehr gut miteinander harmonieren. Verglichen mit der Pulskurve des FR620 würde diese Abweichung zu Beginn der Aufzeichnung sogar komplett entfallen (dazu weiter unten mehr)!

Die Polar M400 war mit einem herkömmlichen Polar HR-Bluetooth Pulsgurt gekoppelt (siehe oben), wohingegen der TomTom Spark3 mit einem optischen, am Arm angebrachten, Rhythm Scosche HR Monitor gekoppelt war, der nicht nur von mir, sondern auch von DC Rainmaker gerne genutzt wird. 

Der Grafik kann man entnehmen, dass moderne optische Pulsmesser durchaus recht valide Daten liefern. Für Alltagsaufgaben (Grundlagentraining) sind die meisten optischen Pulsmesser m.M. sehr gut* nutzbar, für ein pulsbasiertes Intervalltraining würde ich aber weiterhin die bewährten Pulsgurte empfehlen (die optischen HR-Monitore weisen bei harten Intervallen, die zu sprunghaften HR-Anstiegen führen können, manchmal eine zu hohe Latenzzeit auf -> das scheint aber auch von Individuum zu Individuum unterschiedlich zu sein, bei mir liefert der Scosche in der Regel sehr gute Werte, verglichen mit der Pulsgurt basierten Messung).

* wobei es bei den optischen HR Monitoren große Qualitätsunterschiede geben soll, was ich aus eigenen Erfahrungen nur bestätigen kann. Der Scosche spielt dabei sicherlich in der oberen Liga mit.

Nur der Vollständigkeit halber, hier nochmal in ungeglätteter Form:



Sensordaten gegenüber Sensordaten

Hier gilt folgendes: sofern Fahrrad-SPD-Werte miteinander verglichen werden, der gleiche Sensortyp* Verwendung findet und bei allen Bike-Computern exakt der gleiche Radumfang eingestellt ist, sollten die Daten sehr dicht beieinanderliegen. Je nach Art der Datenmodulation (werden die eingehenden Impulse z.B. nur alle 5 Sek erfasst oder alle Sek, etc,) kann es geringfügige Abweichungen geben. Generell sollten die Daten aber gut miteinander harmonieren. 

*Sensortypen: mittlerweile gibt es neben den altbekannten SPD-Sensoren, die mittels eines separaten Magneten einen Impuls erzeugen auch moderne Sensoren, die anhand eines Bewegungssensors die SPD-Daten modulieren. Diese Modulation der Daten ist wesentlich komplexer und soweit ich das beurteilen kann, erzeugen diese Sensoren teilweise andere Daten. 
Ob man diese Daten gut miteinander vergleichen kann vermag ich an dieser Stelle nicht zu sagen, da es abweichende Erfahrungswerte gibt. Hier fehlt mir derzeit auch etwas der technische Einblick, da ich nicht weiß, wie diese Sensoren intern die Impulse erzeugen, die der Bike Computer benötigt..Es muss eine Art Schnittstelle geben, da auch ältere Bike Computer mit diesen Daten zurecht kommen sollen/müssen. Das bedeutet, diese neuen SPD-Sensoren müssen intern die Daten entsprechend aufbereiten -> die auf Bewegungssensoren basierten Daten müssen also intern aufbereitet werden, damit sie mit alten Bike Computern, die (nur) Impulse auswerten, kompatibel bleiben.

Beispiele:

Bike (Rennrad) Aufzeichnungen:
Garmin Edge 800 (Sensor basiert), dunkelfarbene Kurven vs. Lezyne Enhanced Mini C (Sensor basiert), hellfarbene Kurven
(Hinweis: die Daten sind in der Grafik mit Faktor 20 geglättet)


Hier muss man wirklich schon mit einer Lupe nach Abweichungen suchen. Der nach hinten hin leicht auftretende Drift dürfte Folge von geringfügig abweichenden Radumfängen sein (Radumfang in den Bikecomputern unterschiedlich eingestellt, da der Edge800 diesen automatisch bestimmt). Beide Bike Computer waren mit denselben ANT+ SPD und HR-Sensoren gekoppelt.

Aufzeichnung einer kurzen Laufrunde (war sehr windig an dem Tag :-) ):
Garmin FR 620 (Sensor basiert), dunkelfarbene Kurven vs. o-synce ScreenEye (Sensor basiert), hellfarbene Kurven
(Hinweis: die Daten sind in der Grafik ungeglättet)



Dass die HR-Kurven dicht aufliegen erstaunt nicht, da beide Laufcomputer mit demselben ANT+ HRM-Run Gurt gekoppelt waren.

Auffällig sind die Abweichungen der SPD-Kurven. Hierzu ist folgendes anzumerken: 

Der FR620 bekommt die SPD-Daten vom HRM-Run Brustgurt geliefert, der laut Garmin einen intelligenten Lauf-Pod beinhaltet, der lernfähig sein soll, was den Laufstil des Läufers betrifft. 

Demgegenüber hat die ScreenEye die SPD-Daten von einem herkömmlichen SPD(Foot)-Pod bezogen. Außerdem wurde bei der ScreenEye der Default-Schrittlängenfaktor verwendet, den man normalerweise aber kalibirieren sollte, damit die eigene (mitunter aber variable!) Schrittlänge bei der Berechnung Beachtung findet.Insofern sind die SPD-Daten nicht 100% miteinander vergleichbar und ich müsste bei Gelegenheit noch mal einen Test machen, bei dem beide Sportuhren mit demselben Foot-Pod gekoppelt sind.Trotzdem kann man der Grafik entnehmen, dass die Abweichungen auch hier wesentlich geringer sind, gegenüber den GPS-basierten SPD-Daten Aufzeichnungen.

HF-Daten (Pulsgurt basierte Messung gegenüber optischer Pulsmessung)

Das Thema wird immer wieder kontrovers in den diversen Foren diskutiert. Mal davon abgesehen, dass die optischen HR-Messer im Laufe der Zeit immer weiter verbessert und optimiert wurden, mag es physiologisch bedingt Sportler (Menschen) geben, bei denen diese Messart einfach nicht gut funktioniert.

Auch die Sportart spielt wohl eine große Rolle: beim Radfahren stoßen optische Pulsmesser, die am Handgelenk getragen werden, durch den von der Armhaltung bedingten Knick, häufig an ihre Grenzen. 

Dem kann man aber in gewisser Weise begegnen, in dem man diese Pulsmesser an der Arminnenseite anbringt oder - was wohl die besten Ergebnisse liefert - einen optischen Pulsmesser verwendet, den man sehr weit oben am Unterarm oder Oberarm platzieren kann. Der weiter oben bereits erwähnte Rhythm Scosche HR Monitor kann dank zweier unterschiedlich langer Klettbänder problemlos an diesen Körperstellen getragen werden.

Generell zu behaupten, dass die optische Pulsmessung nix taugt und einem Lotteriespiel gleichkäme, zeugt meines Erachtens aber nur von Unkenntnis. Ich habe mittlerweile einige dieser optischen Pulsmesser testen können und von der ersten Generation dieser HR-Monitore abgesehen, funktionieren diese Pulsmesser bei mir sehr gut. Mehr will ich an dieser Stelle daher auch gar nicht schreiben, anbei nochmal eine Grafik, die das gut verdeutlicht.

Beispiel:
Garmin Forerunner 620, dunkelfarbene Kurven vs. TomTom Spark 3, hellfarbene Kurven
(Hinweis: die Kurven sind in der Grafik ungeglättet!)


Wer meint, den beiden HR-Kurven große Abweichungen entnehmen zu können, der muss wirklich über ein sehr gut ausgeprägtes Sehvermögen verfügen (Adleraugen sind das wohl nicht mehr, sondern das dürfte dann eher in Richtung Elektronenmikroskop gehen :-) )


Schlussbetrachtung:

Womöglich kommt jetzt die Frage auf, wozu diese ganzen Gegenüberstellungen.

Um ehrlich zu sein, so richtig kann ich den Grund bzw. die Motivation, diesen Blog Beitrag zu schreiben, jetzt auch nicht (mehr) benennen. Irgendeinen Anlass - wahrscheinlich eine entsprechende Anfrage eines Users - wird es aber gegeben haben :-)

Halten wir also fest, diese Sportcomputer liefern uns Daten, die uns helfen können, unser Training besser zu strukturieren. Auch macht es mitunter Spaß, die Aufzeichnung einer längeren (Rad)-Runde später Revue passieren zu lassen. Die Datenfülle ist mittlerweile fast schon unglaublich, da immer wieder neue Metriken hinzukommen. Hat man sich vor einigen Jahren noch mit HF, SPD, CAD zufrieden gegeben (die Höhenwerte waren Ende der 90'er fast noch Luxus :-) ), gehören mittlerweile Leistungsdaten (beim Radfahren) und diverse extented running metrcis fast schon zwangsweise zum guten Ton.

Dabei sollte man sich aber immer vor Augen halten, dass jeder Sportcomputer eine Art Eigenleben aufweist und je nach Ausgangslage und Art der protokollierten Daten, diese eben nicht so ohne weiteres miteinander vergleichbar sind.
Ob das direkten Einfluss auf das eigene Training hat, steht auf einem anderen Blatt Papier und was die Zusammenfassung der Daten betrifft, werden diese Abweichungen womöglich gar nicht größer von Belang sein.

Eine falsch vorgenommene - oder wie in meinem Fall - eine nicht erfolgte Kalibrierung eines Foot Pods wird in jedem Fall Einfluss auf die SPD-Werte und damit auch auf die Distanz haben (und vice versa).
Genauso sollte natürlich der Radumfang korrekt im Bike Computer justiert sein (um hier eine wirkliche Verzerrung der Werte zu erhalten, muss der Radumfang aber schon gänzlich danebenliegen, eine paar mm Unterschied werden sich kaum bemerkbar machen).

Wenn die SPD- und die Distanzwerte rein auf GPS Daten basieren, dann wird man Abweichungen in Kauf nehmen müssen. Auch wenn es User gibt, die behaupten, ihr GPS würde immer zuverlässige Werte liefern, 'dezidierte SPD-Sensoren wären daher nicht zwingend nötig' -> meine Erfahrung spricht da eine andere Sprache, aber das ist natürlich alles relativ.

Beispielsweise ermittelt Strava die Segment-Zeiten anhand der GPS-Koordinaten. Genauer gesagt wird jeweils der Start- als auch der Endpunkt den GPS Koordinaten (samt den dazugehörigen Zeitstempeln) entnommen. Auf diese Weise kann Strava diverse Verzerrungen egalisieren: unterschiedliche SPD-Werte, die Folge der unterschiedlichen Messmethoden sein können, werden sozusagen gefiltert bzw. von Strava gar nicht beachtet, sondern die AV-SPD eines Segmentes wird von Strava anhand des Start und Endpunktes und der dazugehörenden Zeitstempel selbst berechnet. Sofern die GPS Koordinaten einigermaßen verlässlich sind, funktioniert das auch recht gut.

Große Auswirkungen können diese Abweichungen aber bei der Auswertung der Zwischenzeiten (Laps) haben (jetzt erinnere ich mich, eine solche Anfrage war auch der Grund für diesen Beitrag :-) ).

Ein Leichtathletik Trainer, dessen Zöglinge unterschiedliche Sportcomputer verwenden, hatte mich die Tage auf die Diskrepanz der Zwischenzeitenauswertung angesprochen.

Dabei spielt es keine Rolle, ob die Zwischenzeiten automatisch von den Sportcomputern anhand einer festen Distanzvorgabe (z.B. alle 500 Meter) protokolliert wurden oder nachträglich mit der entsprechenden Funktion in der TrainingLab Pro eingefügt wurden. Trotz ähnlicher Laufzeiten seiner Probanden gab es in der Zwischenzeitenaufschlüsselung zum Teil sehr große Abweichungen.

Ja, dem ist so, und das ist größenteils systembedingt. Ich bin derzeit am Eruieren, ob man dem softwaretechnisch - im Nachhinein - etwas begegnen kann.

Falls es interessiert, hier noch eine Aufschlüsselung der Statistikdaten meiner letzten Feierabendrunde in grafischer Form. Das Problem der Zwischenzeitenaufschlüsselung wird hier deutlich, wenn man sich die Zwischenzeiten-Aufschlüsselungen (alle 500 Meter wurden Lapmarker gesetzt) genauer ansieht (die Daten beziehen sich auf ein und denselben Lauf!)


In diesem Sinne gilt also auch hier, wer misst misst Mist :-)

Oder anders gesagt, Datenauswertung mutiert oftmals zur Kunst... (wir in die Jahre gekommenen Punkrocker wissen das zu schätzen :-) )

To be continued...